„Verblühte Rose“, „gut abgehangen“, „eingefahrener Schlitten“ – mit scharfem Strahl zielte die Altneihauser Feierwehrkapell’n am Freitagabend bei der „Fastnacht in Franken“ auf Frankreichs Präsidentenpaar Emmanuel (40) und Brigitte Macron (64) und spielte dabei auf den großen Altersunterschied an. Doch was zu vorgerückter Stunde im Saal schon das eine oder andere Buh provozierte, zieht mittlerweile eine breite Protestwelle nach sich.
Der Vortrag der Spötter aus der Oberpfalz, üblicherweise einer der Höhepunkte der Fernsehsitzung aus dem unterfränkischen Veitshöchheim bei Würzburg, sei heuer „voll daneben“ gewesen, urteilte beispielsweise der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der am Freitag unter den Gästen war. Auch viele BR-Zuschauer und Leser unserer Zeitung äußerten sich empört. Die Sätze über die Ehefrau des Präsidenten seien „peinlich und weit unter der Gürtellinie“ gewesen, so Hans-Helmut Herold, „unerträglich“ fand sie Sieglinde Medenwald, „ehrverletzend“ Martina Lenzen. Und Karl-Ludwig Judt forderte die Feierwehrkapell’n und ihren Kommandanten Norbert Neugirg auf, sich zu entschuldigen: „Narrenfreiheit und die Freiheit der Kabarettisten hin und her, aber das ging in meinen Augen beziehungsweise Ohren zu weit.“
Der Bayerische Rundfunk (BR), der die „Fastnacht in Franken“ seit mehr als 30 Jahren live überträgt, sah sich gestern genötigt anzukündigen, dass „sich die Redaktion im nächsten Jahr noch genauer mit dem Fastnachtsverband Franken und den Künstlern abstimmen“ wolle. Allerdings handele es sich bei der Show um „eine kabarettistische Sendung, die grundsätzlich von der Zuspitzung lebt“. Sofern die „die sogenannte ,Narrenfreiheit‘‘‘ in der Wahrnehmung einiger Zuschauer zu weit ausgelegt worden sei, „bedauern wir dies ausdrücklich“, so Norbert Küber, stellvertretender Leiter des Studios Franken und zuständig für die Faschingsformate des Senders. Auf Anfrage unserer Zeitung verwies auch Altneihauser-Chef Neugirg auf die Stellungnahme des BR.
Auf den Fluren des Funkhauses war gestern zu hören, Witze auf Kosten der Macrons, wie sie auf der Veitshöchheimer Bühne zu hören gewesen seien, „gehen gar nicht“. Offiziell betont man beim BR dagegen, dass „die künstlerische Freiheit ein besonders geschütztes Grundrecht“ sei, „größere redaktionelle Eingriffe würden diesem Gedanken widersprechen“. Dieser Meinung ist auch der Münchner Kabarettist Helmut Schleich, der im Gespräch mit unserer Zeitung Landtagsvizepräsidentin Inge Aures (SPD) scharf angriff. Aures hatte wie berichtet den Altneihausern gleich nach dem Ende der Veranstaltung mit Rausschmiss gedroht. Man müsse Sprüche wie die Neugirgs ja nicht mögen, so Schleich, „aber dass hier sofort und relativ unverhohlen der Ruf nach Zensur ertönt, das sollte uns tatsächlich zu denken geben“.
Der 50-Jährige setzt im Übrigen darauf, dass Frankreichs Première Dame aufgrund der Anzüglichkeiten aus Windischeschenbach nicht die Contenance verliert. Brigitte Macron inszeniere sich „sehr bewusst als jung gebliebene, attraktive Diva“, da könne es schon einmal passieren, dass Witze darüber gerissen werden, „in Frankreich übrigens weitaus derbere als in Veitshöchheim“. Französische Frauen hielten so etwas aus, ist Schleich überzeugt, „schließlich sind sie weitaus selbstbewusster als deutsche und wissen daher: Die Emanzipation ist erst vollendet, wenn man Brigitte Macron ungestraft ,schärfste alte Hütte von Paris‘ nennen darf.“
Für den Stuttgarter Medienwissenschaftler Wolfgang Schweiger ist der Eklat um den Auftritt der Altneihauser Feierwehrkapell’n „ein Ausdruck der Zerrissenheit unserer Gesellschaft“. Auf der einen Seite stehe der für den Fasching charakteristische derbe, volkstümliche Humor, „der ja nur ausnahmsweise im Fernsehen stattfindet und dadurch eine entsprechend große Öffentlichkeit erreicht“, auf der anderen Seite die sehr ernsthaft geführte Diskussion über Diskriminierung und das Verhältnis der Geschlechter. Darauf hinzuweisen, dass das, was bei der jüngsten „Fastnacht in Franken“ geboten wurde, „ein eher billiger Humor ist“, sei in Ordnung, so Schweiger, allerdings dürfe man nun „nicht gleich nach der Zensur rufen. Das spielt genau denen in die Hände, die die Öffentlich-Rechtlichen schon lange als ,Systemmedien‘ schmähen, bei denen es keine Meinungsfreiheit gibt.“
„Auch bei Faschingssendungen eine gewisse Qualitätskontrolle walten zu lassen, kann nicht schaden“, räumt der Medienexperte ein. Ob sich die BR-Kontrolleure dann wohl auch über die Sätze hätten „abstimmen“ müssen, die der Macron-Nummer folgten? Die Altneihauser widmeten sich darin nämlich den Trumps. Bei denen sei es umgekehrt, dichtete Norbert Neugirg. „Gefährt“ Donald Trump sei „schrottreif“: „Melanias Position ist besser – sie wartet auf den Kolbenfresser.“