Die Herrin der Filme

von Redaktion

Porträt der Produzentin Ariane Krampe, deren „Herzkino“-Film „Ein Sommer auf Mallorca“ am Sonntag im ZDF läuft

Von Katja Kraft

Während alle anderen den Frühling herbeisehnen, hofft Ariane Krampe für Sonntagabend ausnahmsweise noch einmal auf ein paar weitere Stündchen Kälte. Denn wenn’s draußen so richtig zapfig ist, kann man es sich daheim vor dem Fernseher gemütlich machen – und das Herz mit dem Film „Ein Sommer auf Mallorca“ erwärmen. Krampe hat die romantische Komödie produziert, die das ZDF am Sonntag um 20.15 Uhr im Rahmen seiner „Herzkino“-Reihe zeigt. Mit einer guten Quote dann ab Montagmorgen hinein in den Frühling – für die 56-Jährige wäre das der perfekte Plan.

Eine Frau als Produzentin, das war in den Neunzigern, als die Volljuristin bei der Bavaria Film begann, ungewöhnlich im Männer-dominierten Filmbereich. Heute hat Krampe ihre eigene Produktionsfirma – und ist nicht mehr allein unter lauter Platzhirschen.

Ein Vormittag in München, gleich trifft sich die resolute gebürtige Westfälin mit einer jungen Regisseurin. Die stellt derzeit ihren ersten Neunzigminüter fertig, ARD-Mittwochsfilm, große Nummer. Und klar, alle Beteiligten entsprechend nervös. „Ein Debüt ist immer ein Risiko, bei dem ich versuche, die Neulinge bestmöglich zu unterstützen und ihnen erfahrene Kollegen zur Seite zu stellen.“ In diesem Fall würde die Teamzusammenstellung das Herz jedes Verfechters einer Frauenquote höherschlagen lassen: Das Projekt für MDR und ORF wird von zwei Redakteurinnen betreut, die Hauptrolle übernimmt Nicolette Krebitz, das Buch ist von einer Autorin, der Film von einer Regisseurin, gefilmt von einer Kamerafrau. Und produziert? Genau!

Arbeiten weibliche Kollegen anders als männliche? Krampe überlegt. Schwer zu sagen. „Ich glaube, es gibt da keine großen Unterschiede. Außer dass ich immer schauen musste, dass ich abends schnell wieder zu meinen Kindern kam, während Nico Hofmann gemütlich zum Essen ging“, erzählt sie lachend. Zusammen mit dem heutigen Ufa-Chef Hofmann hat sie 1998 die Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft teamWorx gegründet. Und nebenher zwei Kinder großgezogen. Wie bitte das? „Das frage ich mich im Nachhinein auch“, meint sie trocken. Sie hatte zwar eine Kinderfrau, doch bei all den Terminen, Events, Verhandlungen war es ein ständiges Abwägen. „Jeder Tag ist logistisch echt eine neue Herausforderung.“ Nie ist sie ausgefallen, hat sich selbst nach den Geburten im Krankenhaus noch mit Drehbüchern befasst.

Mit einer Gelassenheit, die wohl von ihrem Vater – „ein reiner Westfale“ – kommt. „Je mehr um ihn herum war, umso ruhiger wurde der“, erinnert sich die Tochter, die auch selbst nichts aus der Ruhe zu bringen scheint. „So strahlt man vielleicht auch eine Zuversicht gegenüber dem Team aus, dass die Dinge schon irgendwie alle lösbar sind.“ Denn wer glaubt, beim Produzieren gehe es nur ums Geldheranschaffen, täuscht sich. Krampe ist kreativer Kopf, der Unmengen von Drehbüchern liest, ist Talente-sucherin, die in Castings ihren Blick für aussichtsreichen Nachwuchs beweist. Nora Tschirner, Frederick Lau, Vicky Krieps – lauter Publikumslieblinge, deren Potenzial sie vor vielen anderen erkannte.

Und dann natürlich: passende Regisseure suchen, Kulissen bauen lassen, Entscheidungen treffen, Entscheidungen treffen, pausenlos Entscheidungen treffen. „Ein Film ist wie ein Riesendampfer, den ich aufs Wasser setzen muss. Und wenn er fährt, ist es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass er auf Kurs bleibt“, formuliert es Krampe.

Damals, ganz zu Beginn, als sie gerade 30 und sofort mit der Produktion der ARD-Seifenoper „Marienhof“ betraut war, gab ihr der damalige Bavaria-Programmchef Georg Feil einen wichtigen Tipp mit auf den Weg: „Lieber falsch entscheiden als nicht entscheiden. Jeder macht Fehler, aber was man nicht machen sollte, ist, keine Entscheidungen zu treffen.“ Das hat die selbstbewusste Frau stets beherzigt. Was in Zweifelsfällen hilft, ist ihr Humor. Noch so etwas, was ihre Herkunft verrät: die Selbstironie, das Geerdet-Sein. Denn immer ist ihr bewusst, dass es anderer Leute Geld ist, mit dem sie Projekte verantwortet, an der viele Menschen Wochen, Monate, manchmal Jahre arbeiten. Umso mehr wünscht sie jedem einzelnen Werk – von Mehrteilern wie „Der Tunnel“ (2001) bis zu den vielen „Herzkino“-Folgen, die sie verantwortet hat – Erfolg beim Publikum. Und würde dafür sogar einen Tag Frühling opfern.

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