„Doller kann’s kaum werden“

von Redaktion

Die ARD zeigt zweiten Improvisations-„Tatort“ aus Ludwigshafen – Regisseur Axel Ranisch ist trotz „Babbeldasch“-Pleite optimistisch

Von Gregor Tholl

Er ist der Mann, der vor einem Jahr die „Tatort“-Gemeinde mit dem improvisierten Krimi „Babbeldasch“ aus Ludwigshafen in Aufruhr versetzte und eine Debatte über (zu viele) experimentelle Fälle auslöste – Axel Ranisch. Nun steht an diesem Sonntag um 20.15 Uhr der zweite „Tatort“ des 34-Jährigen mit Ulrike Folkerts als Lena Odenthal auf dem Programm, der Krimi „Waldlust“.

Die „Bild“ nannte Ranischs ersten Streich den „schlechtesten ,Tatort‘ aller Zeiten“, die Kritikerin unserer Zeitung fühlte sich an „lustige Schwänke aus dem Bauerntheater“ erinnert. Der Unterschied bei der Produktion ohne festes Drehbuch ist diesmal, dass hier Profis agieren und nicht Amateurschauspieler wie bei „Babbeldasch“. Die Darsteller erfuhren jedoch erst kurz vor der Szene die jeweilige Handlung.

Die Ludwigshafener „Tatort“-Kommissarin zieht es im ersten Fall nach dem Ausscheiden ihres Kollegen Mario Kopper in den verschneiten Schwarzwald. Zusammen mit den anderen Kollegen ihrer Abteilung soll sie in einem alten Hotel mitten im Wald an einem Coaching teilnehmen. Doch dazu kommt es nicht, die Ermittlerin und ihr Team müssen sich in der gruseligen Atmosphäre des heruntergekommenen Gasthofs mit alten und neuen Morden beschäftigen.

ARD-Programmchef Volker Herres hatte nach der Ausstrahlung von „Babbeldasch“ mit für einen Sonntagskrimi mageren 6,34 Millionen Zuschauern erklärt, Experimente seien okay, „solange es nicht in einen Wettlauf der Redaktionen mündet, wer den abgedrehtesten Film produziert“. Hinter den Kulissen wurde darüber nachgedacht, die Zahl der Experimental-„Tatorte“ auf zwei pro Jahr zu begrenzen, wobei unklar blieb, was eigentlich als Experiment gilt und was nicht.

Regisseur Ranisch hatte nach dem „Babbeldasch“-Desaster und der anschließenden Diskussion trotzig gemeint: „Wenn wir uns in vorauseilendem Gehorsam selbst beschneiden, nur um nicht anzuecken, dann können wir das Filmemachen auch sein lassen.“ Angst vor den Reaktionen auf seinen zweiten „Tatort“ habe er nicht: „Ich hab die Kritik zum ersten ja auch verkraftet. Doller kann’s kaum werden.“ Kritik aus der ARD sei ihm gegenüber nicht laut geworden: „Das Experiment war eine Gemeinschaftstat. Die Redaktion stand geschlossen hinter mir und dem Film.“ » Bayern

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