Auszeichnungen in Serie

von Redaktion

Erstmals gibt es einen Grimme-Preis für einen Streamingdienst – Ehrungen für „Panorama“ und das „Neo Magazin“

Von Dieter Paul Adler

Der neue Serienboom, den vor allem die Bezahlsender befeuern, schlägt sich nun auch beim renommiertesten deutschen Fernsehpreis nieder, dem Grimme-Preis. Mit Netflix erhält heuer erstmals ein Streamingdienst eine Auszeichnung, und zwar für die Serie „Dark“. Sie handelt von jungen Menschen in einer Kleinstadt, die spurlos verschwinden. Außerdem bekommt die erste Koproduktion von ARD und Sky, die Krimiserie „Babylon Berlin“, die in den Zwanzigerjahren spielt, einen Preis. Und auch „4 Blocks“ über einen libanesischen Clan in Berlin-Neukölln, ausgestrahlt vom Bezahlsender TNT Serie, wird geehrt. „Die Qualität dieser hochklassigen Serien zeigt, dass Deutschland auch auf dem internationalen Serienmarkt bestehen kann“, sagte die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach, bei der Bekanntgabe der Preisträger am Mittwoch.

Bei den übrigen Preisen in der Kategorie „Fiktion“ zeigt sich jedoch das gewohnte Bild – die Öffentlich-Rechtlichen machten das Rennen. So gingen Ehrungen an den Zweiteiler „Landgericht – Geschichte einer Familie“ (ZDF), der, so die Jury, „deutsche Zeitgeschichte unter bisher selten gezeigten Aspekten behandelt“, sowie an den Fernsehfilm „Zuckersand“ (BR/ARD), der nach Meinung der Jury einen neuen, klischeefreien Zugang zur filmischen Aufarbeitung der DDR-Geschichte bietet.

Mit dem Preis für die „Besondere journalistische Leistung“ in der Kategorie „Information & Kultur“ werden, stellvertretend für das gesamte Team, die drei Redaktionsleiter von „Panorama“ (NDR), Volker Steinhoff, Sven Lohmann und Dietmar Schiffermüller für ihre Berichterstattung zum G 20-Gipfel geehrt. „Ihnen allen ist über Monate hinweg eine investigative Berichterstattung gelungen, die vorbildhaft ist für einen nicht nur informativen, sondern auch urteilsbildenden Journalismus, der eben keine vorgefertigten Meinungen über den Bildschirm verbreitet“ so die Begründung der Jury. Ein Grimme-Preis geht ferner an Pia Lenz für „Alles gut – Ankommen in Deutschland“ (NDR/SWR).

Maren Kroymann und Sebastian Colley erhalten in der Kategorie „Unterhaltung“ einen Preis für „Kroymann“ (RB). Die Jury zeigte sich begeistert von dem im vergangenen Jahr gestarteten Format. Hochaktuelle Fragen würden hier „in kleine Kammerspiele gegossen, die bei aller Freude an der spitzen Pointe eindeutige Antworten nicht schuldig bleiben. Bei ‚Kroymann‘ wird Haltung zu Unterhaltung“, so ihre Begründung.

Schon den vierten Grimme-Preis nach 2014, 2016 und 2017 kann das Team der „Bildundtonfabrik“ für einen Beitrag aus dem „Neo Magazin“/„Neo Magazin Royale“ (ZDF/ZDF Neo) mit nach Hause nehmen. Für „Eier aus Stahl – Max Giesinger und die deutsche Industriemusik“ erhalten Matthias Murmann, Philipp Käßbohrer und Jan Böhmermann einen Grimme-Preis spezial, ihr Beitrag zählt laut Jury „zu den raren Unterhaltungshöhepunkten des Jahres 2017“.

Für eine Spezialausgabe des „Circus Halligalli“ (Pro Sieben) erhält neben Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf, Jakob Lundt, Thomas Martiens und Thomas Schmitt auch der Ryan Gosling-Darsteller Ludwig Lehner, ein Koch aus Kirchseeon (Landkreis Ebersberg) einen Grimme-Preis. Die Jury attestiert der Sonderausgabe der Show „gleichermaßen packendes Unterhaltungsfernsehen im gewohnten Stil der Sendung wie auch bitterböse Medienkritik“. Joko und Klaas war es zuvor gelungen, Lehner als Double von Ryan Gosling in die Verleihung der Goldenen Kamera einzuschleusen. Das ZDF, das die Gala live übertrug, hatte die Täuschung nicht bemerkt.

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