„Der große Verwendbare“

von Redaktion

Trauer um den Schauspieler und Synchronsprecher Wolfgang Völz, der im Alter von 87 Jahren starb

Von Anne F. Perrier

Für Kinder war er „Käpt’n Blaubär“, für die Erwachsenen ein beliebtes, sympathisches Fernsehgesicht. Kann schon sein, dass seine Rolle als Stimme des schwindelnden Seemanns aus der „Sendung mit der Maus“ sein Image des freundlichen Opas prägte, obwohl Wolfgang Völz vielleicht ganz gerne auch im Alter noch den einen oder anderen Schurken gespielt hätte. Bereits am Mittwoch ist der Schauspieler und Synchronsprecher im Alter von 87 Jahren gestorben. Nach einem Schlaganfall vor zwei Jahren hatte er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Am 16. August 1930 kam Völz in Danzig zur Welt. Als Deutscher musste er nach dem Krieg seine Heimat verlassen und landete zunächst in Hameln (Niedersachsen), wo er eine Bäckerlehre begann, und später in Hannover, wo er eine Schauspielausbildung absolvierte. Er spielte Theater und wirkte bereits in den Fünfzigerjahren in diversen Kinofilmen mit („Die Kirschen in Nachbars Garten“, Charleys Tante“). Ferner war er einige Jahre Ensemblemitglied der Berliner „Stachelschweine“.

Zu einem der bekanntesten deutschen Film- und Fernsehgesichter wurde der Mann mit der markanten Nase und dem Schnauzbart dann ab den Sechzigerjahren, unter anderem in den damals populären Kinokrimis wie „Der grüne Bogenschütze“ oder „Das Wirtshaus von Dartmoor“. Als seine eigene Lieblingsserie bezeichnete Völz die ARD-Serie „Graf Yoster gibt sich die Ehre“, in der er ab 1966 in fast 80 Folgen den schlagfertigen Diener Johann spielte. Legendär wurde die zur selben Zeit startende Produktion „Raumpatrouille“, in der Völz an der Seite von Dietmar Schönherr und Eva Pflug den Leutnant Mario de Monti verkörperte.

In „Raumpatrouille“ spielte auch seine Frau Roswitha mit, mit der Völz 64 Jahre lang verheiratet war. „Wir lachen sehr viel“, beschrieb Völz das Geheimnis seiner langen Ehe. Er habe in all den Jahren auch nie an Scheidung gedacht, „nur an Mord“. Das Paar hat zwei Kinder, Völz’ Enkel Daniel war zuletzt als „Bachelor“ in der RTL-Kuppelshow zu sehen.

In Film- und Fernsehrollen an der Seite praktisch aller großen Stars seiner Zeit sei er für Regisseure „der große Verwendbare“ gewesen, beschrieb Völz seine Arbeit, und merkte manchmal etwas bitter an, seine Rollen seien doch „immer die gleiche Grütze“. Ironie seines Schicksals, dass der späte Völz in den Edgar-Wallace-Filmparodien „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“ sich selbst ironisierte.

Umso mehr blühte Völz als Synchronsprecher auf. Er war unter anderem die deutsche Stimme von Stars wie Walter Matthau, Peter Ustinov, Mel Brooks oder Peter Falk. Auch in Werbespots wirkte er mit. Vor allem aber kennen Kinder seine Stimme aus der „Sendung mit der Maus“, wo Völz als „Käpt’n Blaubär“ zu hören war. Der Autor Walter Moers habe ihn selbst gebeten, die Sprecherrolle zu übernehmen, sagte Völz einmal: „Die ,Blaubär‘-Sprache habe ich dann erfunden.“

Die Sprecherrolle habe ihm „reichlich Geld gebracht“, sagte Völz. Aber für Kinder habe er in seiner Karriere auch immer viel umsonst gemacht. „Es ist herrlich, dass die Kleinen so eine Fantasie haben.“

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