Russland verweigert dem ARD-Journalisten Hajo Seppelt das Visum für die Fußballweltmeisterschaft. Seppelt stehe auf einer Liste der in Russland „unerwünschten Personen“ und könne daher nicht einreisen, teilte der Südwestrundfunk (SWR) mit. Nähere Angaben seien nicht gemacht worden.
„Die ARD betrachtet dies als einen einmaligen Vorgang in der Geschichte des Sportjournalismus und im Hinblick auf die Berichterstattung über Großereignisse wie die Fußball-WM als beispiellosen Eingriff in die Pressefreiheit“, hieß es in der Mitteilung. Bei Sportgroßereignissen sei der freie Zugang für Medienvertreter aus aller Welt üblicherweise selbstverständlich und gehöre auch zu den Voraussetzungen für die Vergabe an Ausrichterländer.
Seppelt ist durch seine Beiträge zum Thema Doping bekannt geworden. Er trug damit maßgeblich dazu bei, das russische Dopingsystem aufzudecken. Zuletzt sorgte der 55-Jährige vor den Olympischen Winterspielen in Südkorea im Februar mit Beiträgen über das mutmaßliche Staatsdoping in Russland und die Manipulationsmöglichkeiten an Dopingproben für Aufsehen. Für seine Beiträge wurde der Journalist mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, weil er nach Auffassung der Jury „Licht ins Dunkel mächtiger internationaler Dopingnetzwerke“ bringt. Für „Geheimsache Doping – Im Schattenreich der Leichtathletik“ und „Wie Russland seine Sieger macht“ (beide ARD) war Seppelt zuvor bereits der Deutsche Fernsehpreis zuerkannt worden.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) forderte ein Machtwort des Fußballweltverbands: „Die Fifa muss die Entscheidung Russlands anprangern und sich dafür einsetzen, dass Hajo Seppelt zur WM-Berichterstattung nach Russland einreisen kann.“ dpa