Öffentlich-Rechtliche

„Das ist alles vollkommen übertrieben“

von Redaktion

Kurz vor der Sommerpause der Polittalkshows sehen die Macher keinen Reformbedarf bei den Gesprächssendungen

Von Andreas Heimann

Zum Abschied in die Sommerpause hatte Talkerin Anne Will am Sonntagabend einen besonderen Gast – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Doch ein Quotenknüller war die Sendung nicht gerade, nur 3,94 Millionen Menschen sahen zu. Ist „Anne Will“ (Spitzenwert: 7,64 Millionen nach dem Kanzlerduell vom 3. September 2017), sind die Polittalkshows generell in der Krise, sind Reformen nötig? Das hatte vergangene Woche der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, gefordert und ARD und ZDF empfohlen, ein Jahr Talkpause zu machen, um in Ruhe über die Formate nachzudenken. „Mehr als 100 Talkshows im Ersten und im ZDF haben uns seit 2015 über die Themen Flüchtlinge und Islam informiert und dabei geholfen, die AfD bundestagsfähig zu machen. Die Spaltung der Gesellschaft hat seit 2015 deutlich zugenommen“, kritisierte Zimmermann.

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der für „Anne Will“ zuständig ist, widersprach. Die Sendung wolle dem Trend immer enthemmterer Debatten in den Sozialen Netzwerken „eine sachliche Diskussion von Themen entgegensetzen“. Auch ARD-Chefredakteur Rainald Becker wies die Kritik in einem Interview der „Welt“ zurück: „Das ist alles vollkommen übertrieben. Da wird auch manchmal ein Sündenbock gesucht.“ Den Vorschlag des Kulturrates hält er für keine gute Idee: „Uns ein Jahr Talkpause zu verordnen, das wäre so, als würden wir dem Kulturrat sagen, er solle sich ein Jahr lang nicht um Kultur kümmern.“

ZDF-Chefredakteur Peter Frey hält die politischen Gesprächsrunden gar für einen „sozialhygienischen Faktor. Deshalb wäre es ein echter Fehler, ein Jahr auf sie zu verzichten.“ Der Eindruck, dass nur über Flüchtlinge und Islam diskutiert werde, sei „einfach falsch“.

So oder so ist nun aber wirklich bald erst einmal Schluss mit der Diskussion. „Anne Will“ im Ersten macht bis einschließlich 5. August Sommerpause. Die ARD-Talksendungen „Hart aber fair“ und „Maischberger“ sind noch bis zum 18. Juni beziehungsweise 4. Juli zu sehen. Frank Plasberg kommt nach jetziger Planung am 27. August, Sandra Maischberger zwei Tage später aus der Sommerpause zurück. Beim ZDF ist die letzte Ausgabe von „Maybrit Illner“ vor der Sommerpause am 12. Juli zu sehen, die erste Ausgabe danach am 23. August.

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