Bislang keine runde zur regierungskrise

Im Abseits

von Redaktion

Anne will über Politik reden, darf aber nicht – und Frank Plasberg findet eine Sendung über Fußball wichtiger

von Stefanie Thyssen

Sommerloch? Nichts los in der Politik? Von wegen! Seit Wochen geht es heiß her in Berlin. Vor allem zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Innenminister Horst Seehofer (CSU) hängt der Haussegen ordentlich schief. Der Asylstreit hat eine veritable Regierungskrise mit offenem Ende hervorgerufen. Massenweise Stoff also für die (zahlreichen!) Polit-Talkshows der ARD. Oder etwa nicht?

Wer sich am Sonntagabend auf eine spannende Runde bei Anne Will freute, wurde enttäuscht. Um 21.45 Uhr lief ein alter Krimi („Zorn: Kalter Rauch“). Am Montagabend gab’s dann eine Ausgabe von „Hart aber fair“. Aber Frank Plasberg wollte nicht etwa wissen, wie es um die Zukunft unserer Regierung bestellt ist, sondern ließ über die Fußball-Weltmeisterschaft diskutieren. Und das auch noch so aberwitzig schlecht, dass man sich beim Zuschauen fremdschämte

Was den Sonntag angeht: Anne Will hatte der ARD nach eigenen Angaben angeboten, ihre Sommerpause zu unterbrechen und eine aktuelle Ausgabe zur Regierungskrise zu machen. „Ich hätte am Sonntag sehr gern gesendet“, teilte die Moderatorin gegenüber dem „Spiegel“ mit. Das Erste lehnte ab. Zur Begründung heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung: „Da CDU und CSU für Montag Vorstandssitzungen und Pressekonferenzen angekündigt hatten, hat NDR Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz, zugleich amtierender ARD-Chefredakteur, in diesem Fall entschieden, keine zusätzliche ,Anne Will‘-Sendung ins Programm zu nehmen.“ Bei einer veränderten Ereignislage wäre diese Entscheidung wieder neu getroffen worden. Kein TV-Talk, weil die Parteien Pressekonferenzen abhalten?! Das ist eine mindestens mal schräge Erklärung seitens der ARD.

Auf die Frage, warum auch Frank Plasberg nicht über Politik talkte, sondern über die WM, antwortet der Sender: „Die Fußballweltmeisterschaft beschäftigt und bewegt die Menschen. Fußballdeutschland diskutiert seit Wochen über Personalentscheidungen des Trainers, die Leistungen der deutschen Mannschaft in den Vorbereitungsspielen, die Kritik an Özil und Gündogan; und seit Sonntag über die Auftaktniederlage gegen Mexiko.“ Das sei „viel Diskussionsstoff für eine Diskussionssendung“. Immerhin: Nachdem der Asylstreit der Union zu eskalieren begann, habe die Redaktion bereits in der vergangenen Woche mit der parallelen Planung einer Sendung dazu begonnen. „Die finale Themen-Entscheidung fiel erst am Montagnachmittag, als klar wurde: Eine weitere Eskalation im Asylstreit bleibt vorerst aus.“ Dies – und der späte Sendebeginn – hätten die Redaktion nach intensiven Diskussionen bewogen, doch auf das gesprächswertige Thema Fußball zu setzen. Die Quote gibt Plasberg und seinem Team übrigens recht: 1,34 Millionen Menschen sahen sich die Sendung an, der Marktanteil lag bei sehr guten 14,5 Prozent.

Wer dennoch mal wieder Lust auf einen echten Polittalk hat: Sandra Maischberger diskutiert heute ab 23.45 Uhr über das Thema: „Merkel gegen Seehofer: Endspiel für die Kanzlerin?“

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