Entspannt mitanand

von Redaktion

Am Freitag erscheint „Fürchtet Euch nicht!“ – Hannes Ringlstetter präsentiert sein neues Album auf dem Tollwood

von antonio seidemann

Fremdenhass, Populismus, Hetze, Angst und Gewalt in der Familie – es ist ein ganz schönes Pfund an Themen, mit denen sich Hannes Ringlstetter auf seinem neuen Album rumplagt. Aber dessen Titel „Fürchtet Euch nicht!“ gibt die Marschrichtung vor. Ringlstetter lässt seine Fans nicht allein mit der Angst und zaubert mit vielen Gastmusikern eine groovige Mischung aus Bluesrock, Volksmusik, Canzone, Liedermacherei und Hip-Hop, um das Gewitter wegzublasen (siehe Kasten). Bevor das Album am Freitag erscheint und auf dem Tollwood vorgestellt wird, gewährt der Musiker im kleinen Rahmen einen Einblick ins neue Werk, ein Termin, der im Schatten der drohenden CSU-Apokalypse stattfand.

„Ich habe lange überlegt, wollte schon fast absagen“, scherzt der Musiker. „Ich weiß ja nicht, ob ich überhaupt weitermachen soll, aber der Dobrindt hätte es halt gerne.“ Die CSU-Führung bekommt bei „Fürchtet Euch nicht“, einem Rap mit dem niederbayerischen Duo Dicht & Ergreifend, ohnehin ihr Fett weg. Die Nummer hatte sich zu einem kleinen Hit gemausert, nachdem sie im Mai vorab veröffentlicht wurde. „Ich war so beschäftigt mit dem Album, dass ich das gar nicht recht mitbekommen habe“, wundert sich Ringlstetter. „Als wir das Lied dann bei einem Termin gesungen haben, bin ich fast umgefallen, als das gesamte Publikum den Refrain mitgesungen hat.“

Mit der augenzwinkernden Hymne „Niederbayern“ des Albums „Paris New York Alteiselfing“ war dem Münchner 2016 eine Überraschung gelungen. Der Erfolg ging nicht zuletzt auf die Popularität zurück, die der Musiker, Schauspieler und Kabarettist als Moderator der Montagabende im Vereinsheim und durch seine eigene BR-Sendung gewonnen hat. Von Kritik und Publikum wurde die Platte gefeiert – der Zuspruch verlieh wohl Flügel, denn „Fürchtet Euch nicht!“ ist sowohl inhaltlich als auch musikalisch um einiges ambitionierter.

„Natürlich sind das viele schreckliche Themen“, erklärt Ringlstetter. „Ich wollte aber nicht so ein Album rausbringen mit dem Motto ,Oh ist alles schlimm!‘. Es sollte Mut machen, dieses Gefühl geben, dass man es miteinander schaffen kann, sich der Angst zu widersetzen.“ Sehr spielerisch verweben der 48-Jährige und seine Band unterschiedliche Stile miteinander. Eröffnet wird mit dem Song „Sonntag“ und mit Alphörnern, die in einen Blues-Riff auf der elektrischen Gitarre führen. Mit Stoppok singt Ringlstetter einen klassischen Country-Song über Cowboys, die beim Duell doch lieber die Pistolen stecken lassen, mit Max von Milland interpretiert er eine italienische Ballade, die auch von Adriano Celentano stammen könnte, und mit Claudia Koreck einen dreckigen Blues über „Tennessee Whiskey“, der einen vergessen lässt, dass Koreck jemals „Fliang“ gesungen hat.

Ob es viel Arbeit war, alle Elemente zusammenzufügen und die Gäste zur Mitarbeit zu bewegen? Ringlstetter zuckt mit den Schultern und erzählt die Geschichte des Titels „A Ruah“: „Normalerweise schreibe ich ein Lied und finde es wunderbar. Am nächsten Tag bin ich dann nüchtern, finde es schrecklich und werfe es in den Müll. ,A Ruah‘ fand ich am nächsten Tag noch gut – wahrscheinlich weil ich auch da nicht nüchtern war.“ Die Dean-Martin-Koketterie dauert nicht lange: „Mit den Musikern war es eigentlich ganz einfach. Und letztendlich ging es beim ganzen Album darum, zu zeigen, dass man gemeinsam etwas machen kann.“

Die Chemie stimmt, vor allem mit der angestammten Band, mit der Ringlstetter vier Stücke beim Vorabtermin live spielt, inklusive Textvergessen: „Gut, dass wir das noch mal spielen vor der Premiere!“ Geschmeidig glückt der Wechsel vom Country zum jazzigen Canzone-Stil bei „Tutto passato“. Ringlstetter hatte sich gewünscht, mit dem Südtiroler Max von Milland Italienisch zu singen. Dabei stellte sich heraus, dass der die Sprache nur rudimentär beherrscht. „Da haben wir die Ideen von einem italienischen Wirt aus dem Glockenbachviertel aufschreiben lassen.“ Wenn ein Album auf diese Weise entsteht, weiß man, wie es entspannt „mitanand“ gehen kann.

Hannes Ringlstetter:

„Fürchtet Euch nicht!“

(Millaphon).

Am Freitag spielt Hannes Ringlstetter auf dem Tollwood, Beginn ist um 19 Uhr; Telefon 0700/ 38 38 50 24.

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