Mit vier Produktionen auf dem Münchner Filmfest vertreten zu sein – das schafft nicht jeder. Oliver Berben (46) schon. Mit der Constantin Film hat er einen zweiteiligen Fernsehfilm („Bier Royal“), zwei TV-Serien („Parfum“ und „Die Protokollantin“) und einen Kinofilm („Asphaltgorillas“) präsentiert und das Publikum bei jeder einzelnen Premiere begeistert. Zum Ende dieser Woche, in der die Stadt im Zeichen des Films stand, trafen wir den Produzenten zum Interview und sprachen mit ihm über das „gute alte“ und das neue Fernsehen, Streamingdienste wie Netflix und die Frage, warum er, der gebürtige Münchner, mit diesem Filmfest sehr glücklich ist.
-Sind Sie eigentlich Bier- oder Weintrinker?
Ich bin Biertrinker, und zwar durch und durch. Ich bin in einem Internat in Oberbayern groß geworden, in Stein an der Traun. Und da war eine eigene Brauerei mit dabei. Ich bin also früh mit Bier in Verbindung gekommen (Lacht.)
-Dann war es nur eine Frage der Zeit, dass Sie einen Film drehen, der in der Brauerei-Szene spielt?
Ich war eher überrascht, dass es in dieser Richtung noch nicht viel gab im deutschen Fernsehen. Mich als Münchner hat immer schon diese Macht der Brauereien fasziniert, und der Konkurrenzkampf unter den einzelnen Unternehmen birgt sehr schönes Konfliktpotenzial…
-Davon gibt es in „Bier Royal“ eine Menge. Die Brauereifamilie, von der Sie erzählen, ist zutiefst zerstritten.
Richtig, da geht es durchaus dramatisch zu, aber mir war es wichtig, die Geschichte nicht so bierernst zu erzählen. Wir wollten eine charmante, satirische Komödie drehen.
-Der Titel „Bier Royal“ klingt nach einer Mischung aus „Kir Royal“ und „Das Erbe der Guldenburgs“, und tatsächlich hat der Zweiteiler etwas von beiden. Ist „Bier Royal“ eine Hommage an das gute alte Fernsehen?
In jedem Fall, ja. Ich bin mit diesen beiden Serien großgeworden und glaube fest daran, dass es weiterhin Programme geben sollte, die dazu dienen, die Zuschauer beim Lagerfeuer vor dem Fernseher zu versammeln.
-Mit Ihrer Serie „Parfum“, die ebenfalls auf dem Filmfest Premiere gefeiert hat, gehen Sie ganz neue Wege. Sie wird zunächst bei ZDFneo zu sehen sein und dann auf Netflix laufen. Wie kam es zu dieser Konstellation?
Wenn man einen neuen Stoff entwickelt, muss man sich immer überlegen: Für wen macht man das? Diese Serie im Speziellen richtet sich einerseits an die Menschen, die den Roman kennen. Andererseits aber gerade auch an jüngere Zuschauer, die modernes Fernsehen lieben. Und die Idee einer neuen Kombination aus internationalem Streamingdienst, der weltweit ein junges Publikum anspricht, und einem klassischen TV-Sender, der wie ZDFneo für Innovation steht, passt sehr gut.
-Ihre dritte Filmfest-TV-Produktion ist „Die Protokollantin“, eine irre gute Geschichte mit Ihrer Mutter Iris Berben in der Titel–rolle.
Ja, wir starten damit im Herbst, auf einem Sendeplatz, den das ZDF mit der „Protokollantin“ neu für hochwertige deutsche Serien kreiert hat: Die fünf Mal 60 Minuten werden am Samstagabend um 21.45 Uhr ausgestrahlt, was ich ganz toll finde, weil man auf diesem Sendeplatz die Möglichkeit hat, die Geschichten etwas anders zu erzählen.
-An diesem Wochenende geht das Münchner Filmfest zu Ende. Ihr Fazit?
Ich finde es zunächst mal großartig, dass München so ein Filmfest und ein so hervorragendes Team mit und um Diana Iljine hat. Und natürlich sind wir auf Seiten der Constantin Film extrem stolz, dass wir hier so stark vertreten waren. Die Hürde zum Filmfest muss man ja auch erst mal nehmen. Und: Die Münchner lieben ihr Filmfest. In jeder Vorstellung saßen Fans aus Stadt und Umland. Das ist großartig!
Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.