Der „Sohn des Brahma“ ist ein Gigant – und doch in unseren Breiten wohl den wenigsten Menschen ein Begriff. Geboren auf dem Dach der Welt, auf 5200 Höhe im Himalaya, durchzieht er mehr als 3000 Kilometer lang die Länder China, Indien und Bangladesch. Um dann in den Indischen Ozean zu münden, im größten Delta der Erde. Diesen Riesenstrom, den Brahmaputra, wie er auf Sanskrit heißt, stellen die drei renommierten Naturfilmer Klaus Feuchtenberger („Radioaktive Wölfe“), Jeremy Hogarth („Die vier Alpen“) und Heinz Leger („Dschingis Khan – Reiter der Apokalypse“) in der eindrucksvollen Dokumentation „Terra X – Brahmaputra, Wasser vom Himalaya“ vor. Der Film ist an diesem Sonntag um 19.30 Uhr im ZDF zu sehen.
Zu erleben sind dabei die faszinierende Flora und Fauna extremer Klimaräume – von der Kälte der Hochgebirge bis hin zu tropisch warmen Tiefländern. Gefilmt auf teilweise bis heute kaum zugänglichen Abschnitten. Vielfältig wie die Landschaften erscheinen deren Tier- und Pflanzenwelt. So gedeihen etwa in den abgelegenen Wäldern seltene Vierbeiner wie Gorale – eine asiatische, stämmige Ziegenart, Rote Pandas, Nebelparder, eine große Katze des südöstlichen Asiens, die entfernt Leoparden ähnlich sieht, oder die Affenarten Goldlangur und Weißbrauengibbon.
Die Auengebiete wiederum bilden Lebensraum von Elefanten, Panzernashörnern, wilden Wasserbüffeln oder auch zahllosen Vogelarten. Anmutige, weiß gefleckte Axishirsche durchstreifen dazu die Mangrovenwälder an der Küste, stets auf der Flucht vor den selten gewordenen Bengal-Tigern. Kurzum: Bei den Regionen um den Brahmaputra, der auf seiner Reise mehrfach seinen Namen wechselt, von 140 Nebenflüssen gespeist wird und sich unter anderem mit dem Ganges vereint, handelt es sich um ein veritables und noch urtümlich erscheinendes Naturparadies.
Doch wie fast überall, ist mittlerweile auch dieses bedroht. Zu den Gefahren zählen der seit britischen Kolonialzeiten großräumige Tee-Anbau im indischen Bundesstaat Assam und vermehrter Staudammbau in etlichen Anrainerstaaten. Sowie nicht zuletzt die Erdklima-Erwärmung, die auf dem Himalaja zur Gletscherschmelze führt, dadurch Temperatur und Masse des Brahmaputra verändert. Diesen düsteren Aspekten widmen die „Terra X“-Filmer allerdings wenig Augenmerk.
Vielmehr bieten sie wunderbare Ansichten und Bilder eines geheimnisvollen Gewässers, von dem man erst seit 100 Jahren weiß, dass sein Oberlauf in Tibet und sein Mittellauf in Indien ein und derselbe Fluss sind. Auch ist erst seit dem Jahr 2011 der See unter dem Angsi Gletscher als dessen Ursprung wissenschaftlich bestätigt, wie die Doku lehrt.