Am Vornamen Karl-Heinz ist Deutschlands bekanntester Ostfriese knapp vorbeigeschrammt – den bekam sein älterer Bruder. Als Otto Waalkes auf die Welt kam, machten ihm die Eltern eines der besten Geschenke überhaupt: „Otto! Gibt es einen besseren Namen für einen Komiker? Ich behaupte, nein“, ist er sich sicher. „Otto, von hinten wie von vorne lesbar, auf Plakaten von ferne zu entziffern und wunderbar im Chor zu rufen: Otto! Otto!!“, schreibt der Komiker in seiner Ottobiografie. Das Buch rangiert weit oben in den Bestsellerlisten und läutet die außerfriesische Party ein: Otto wird am Sonntag 70 – Holladihiti!
Mit dem Buch „Kleinhirn an alle“ sei sein größter Wunsch in Erfüllung gegangen, sagt Otto. „Endlich ein Buch, das nur von mir handelt.“ Aber der Friesenjung, der von Emden in die Show-Welt zog und zum Alleinunterhalter der Nation wurde, hat auch mit 70 noch mehr vor. Ordentlich krachen lassen möchte er es Anfang August beim Heavy-Metal-Festival in Wacken. Er will zeigen, dass seine Gitarre mehr kann als nur „Drunt im Tal, da sitzt das kleine Ottili“.
Mit Musik und Komik hatte gleich hinterm Deich alles begonnen. Schon früh fiel das komische Talent des kleinen „Ottje“ auf, aber auch seine Liebe zur Gitarre. Mitte der 60er Jahre hatte er schon erste Auftritte mit der Band The Rustlers – 50 Jahre später feierten Comedystars wie Michael „Bully“ Herbig Ottos Bühnenjubiläum. Herbiger zeigte darin ein Foto von sich, in der Badewanne sitzend und das „Wort zum Montag“ nachahmend. Das ZDF spendierte Otto 2015 jene Show und würdigt ihn erneut: In „Geheimakte Otto Waalkes“ am Sonntag, 22 Uhr, ist er als Reporter Harry Hirsch dem Otto-Erfolgsgeheimnis auf der Spur. Hirsch, Susi Sorglos, Oberförster Pudlich, Frau Suhrbier, Robin Hood, der Rächer der Enterbten, schwule Schlümpfe und Ottifanten – allesamt Figuren des Komikers, der eigentlich Musik machen wollte und im Hamburg der 70er Jahre mal in einer WG mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen lebte.
Die Gags und Sprüche des spirreligen Blonden mit den Spaghetti-Haaren kamen jedoch besser an – der Anfang für eine Blödel-Karriere, die den Humor der Deutschen prägte.
Mit Wortspielen und Parodien, Kalauern und Liedern, Situationskomik und zeitkritischen Anspielungen avancierte Otto zum Star. 1973 bekam er eine TV-Show, die lief bis Anfang der 80er etwa einmal im Jahr und war ein Hit. Der zappelige und anarchische Tausendsassa, der herumblödelte und in die verschiedensten Rollen schlüpfte, war ein Phänomen. Auf Schulhöfen wurden Gags nachgespielt, Geräusche und Körpersprache imitiert, mindestens ein Hüpfen und Hoppeln à la Otto war Pflicht. Der Ostfriese schwamm vor allem in den 70er und 80er Jahren auf der Erfolgswelle, holte sich Goldene Schallplatten und Preise, brach auf der Leinwand mit „Otto – Der Film“ 1985 Besucherrekorde.
Ans Aufhören denkt Otto nicht, er sei „geboren um zu blödeln“ und sein Verfallsdatum habe der Otto-Humor noch nicht erreicht. Im Buch definiert er ihn so: „Nonsens ist ja kein reiner Schwachsinn, es ist ein verweigerter Sinn. Der Betrachter wird in ein scheinbar stabiles Sinngebäude gelockt – und dann lassen wir ihn voll gegen die Wand laufen.“