Sag mir, wo die Frauen sind

von Redaktion

„37-Grad“-Reportage erzählt an diesem Dienstag von Single-Männern in Ostdeutschland, die eine Partnerin suchen

Von Katharina Zeckau

„Das Leben ohne Frau? Ist ein Leben auf dem Abstellgleis, Du vegetierst dahin. Ein sinnloses Leben, eintönig …“ Drastische Worte, formuliert vom 50-jährigen Uwe aus Leuna in Sachsen-Anhalt. Der derzeit Arbeitslose ist Single. Er führt das auch darauf zurück, dass die meisten Frauen keinen Hartz-IV-Bezieher zum Mann wollten. In seinem früheren Leben war er bei der Wachmannschaft der DDR-Regierung; nach der Wende arbeitete er unter anderem als Getränkefahrer. Im Verlauf der Dreharbeiten zu der „37-Grad“-Reportage „Sag mir, wo die Frauen sind“, die das ZDF an diesem Dienstag um 22.15 Uhr ausstrahlt, wird er einen neuen Job finden – eine Frau jedoch nicht.

Auch der 29-jährige Biobauer Stefan aus dem Erzgebirge und der 41-jährige Olaf von Usedom sind am Ende dieses Films über einsame Männer im Osten noch genauso allein wie zu Beginn. Eine Tatsache, die die Dokumentation explizit nicht auf die Männer zurückführt, sondern darauf, dass viele junge und mittelalte Frauen die ländlichen Gegenden und Kleinstädte Ostdeutschlands verlassen haben: Während die oft mobileren und besser ausgebildeten Frauen in den Westen oder die großen Städte ziehen, bleiben die Männer eher in der Heimat – gerade die, die in handwerklichen Berufen arbeiten.

In klassischer „37 Grad“-Manier verzichtet der Film auf Experten und Einschätzungen von außen. Stattdessen bleibt er nah an seinen drei Protagonisten. Er zeigt diese bei der Arbeit, in Alltag oder Freizeit und lässt sie über sich, ihre Traumfrau und ihre Vorstellungen von der Liebe erzählen.

Die meiste Atmosphäre kreiert der Film in den Szenen mit Pferdeliebhaber Olaf, der ein kleines Sägewerk besitzt. Wenn man ihn spätabends durch die gottverlassenen Straßen Usedoms reiten sieht – zu Carolas Kneipe, dem einzigen Lokal weit und breit, das noch aufhat – dann kommt sogar ein bisschen melancholische Westernstimmung auf. In diesem Erzählstrang steckt die meiste Bewegung und die größte Spannung, gerade weil Olaf eher zurückhaltend agiert und der Film Raum für Zwischentöne lässt. Hier fällt auch die unaufdringliche, aber stimmungsvolle Kameraarbeit von Thomas Henkel und Michael Damm auf.

Der Film von Sibylle Smolka ist verdienstvoll, indem er einen sensiblen, zugewandten Blick auf ein Problem wirft, das für die Betroffenen existenziell ist. Etwas mehr Tiefe und politisch-soziologische Einbettung hätten ihm allerdings gutgetan.

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