Es ist sicher einer der Filme des Jahres – zumal fürs bayerische Publikum. „Der große Rudolph“ erzählt vom München der Achtzigerjahre, von Sein und Schein, von der Schickeria und natürlich von ihm: Rudolph Moshammer (1940-2005). Die Hauptrolle spielt Thomas Schmauser. Und man kann nur staunen, was der 45-Jährige da abliefert. Wir sprachen mit dem Wahl-Münchner, der 2017 von den Kammerspielen ins Ensemble des Residenztheaters wechselte, über die „poetische Komödie“ (Schmauser über „Der große Rudolph“) und die Frage, was ihn persönlich an „Mosi“ fasziniert.
-Wie haben Sie sich diese Rolle „draufgeschafft“?
Man kann es pathetisch beantworten und sagen: mit Liebe. Denn mit Fleiß allein ist da nichts zu machen. (Lacht.) Dafür war Moshammer viel zu eigen. Wenn man sich aber einmal in die Idee verliebt hat, die Rolle zu spielen, kann man viel bewerkstelligen. Also habe ich versucht, alle Sachen, die mich an ihm faszinieren, irgendwie zu verstehen. Und nicht zu imitieren, das ist wichtig.
-Was fasziniert Sie so an der Figur Moshammer?
Ich hatte das Gefühl, dass er von sich immer eine Art von Aufrichtung verlangt hat. Für sich! Ich habe mir Interviews angeschaut mit ihm – man sieht ihn nie ohne Haltung. Auch wenn er selbst nicht im Fokus stand – wenn er zum Beispiel in Talksendungen mit anderen Leuten zu Gast war – er saß immer aufrecht, immer mit Haltung. Das hat mich fasziniert, weil ich mich frage: Wie muss jemand sich selbst empfinden, wenn er immer diese Haltung bewahrt, auch wenn er nicht im Fokus steht? Für mich strahlt das eine große Einsamkeit aus.
-Talkshow ist ein gutes Stichwort. Sie haben sich für Ihre Vorbereitung wahrscheinlich all seine öffentlichen Auftritte angeschaut, oder?
Ich habe mir alles angeschaut, was man im Internet über ihn finden kann. Aber das hat mir ehrlich gesagt gar nicht so viel gebracht. Viel beeindruckender waren für mich die alten Originalfotos. Wo man sieht, wie er im Verhältnis zur Mutter steht. Wie er die Mutter hält. Wie er sie und seine Umwelt beobachtet. Diese Schnappschüsse sind manchmal besser als bewegte Bilder. Da spürt man, wie ein Moment, ein Gedanke wie festgefroren ist.
-Das klingt alles tatsächlich sehr liebevoll. Haben Sie Sympathien für Herrn Moshammer?
Ich bin nicht der Anwalt. Aber ich habe Sympathie für alle Menschen, die etwas versuchen. Für alle, die etwas ausprobieren, was nicht der Norm entspricht. Und das hat er. Eindeutig.
-Der Film spart den Mord an Moshammer wie auch sein Schwulsein aus. Finden Sie das richtig?
Ja, es wäre falsch gewesen, einen Film über sexuelle Eskapaden zu drehen, über die wir ja eh nichts wissen. Denn Moshammer führte – obwohl er so stark in der Öffentlichkeit stand – ein heimliches Leben. Die Art, wie er im Film Männer beobachtet, verrät aber schon eine Sehnsucht. Sie wird nur nicht szenisch ausgelebt.
Das Gespräch führte
Stefanie Thyssen.