Was für ein gigantisches Projekt! Wer alle bisherigen 16 Folgen von „Babylon Berlin“ bereits auf Sky gesehen hat, kann vor der Free-TV-Premiere am Sonntag ab 20.15 Uhr in der ARD guten Gewissens behaupten: Das ist besser als jeder „Tatort“. Will man nach den ersten drei Folgen nicht bis zur Fortsetzung am Donnerstag warten, kann man gleich in der ARD-Mediathek weiterschauen, dort sind alle Episoden abrufbar. Und warum hat diese Serie nun so einen hohen Suchtfaktor? Darum:
-Die Geschichte…
… kann man nicht in wenigen Zeilen erzählen. Denn genau das ist ja das Einzigartige an dem Format „Serie“. Anders als beim Neunzigminüter können die Autoren sich viel mehr Zeit nehmen, eine Geschichte aufzubauen und uns die Figuren nahezubringen, von denen wir erst ein oberflächliches Bild bekommen – um dann nach und nach hinter ihre Fassade zu blicken. Süchtigmachende Reihen wie „House of Cards“ haben gezeigt, wie man all die Vorteile dieses Formates nutzen kann. Die „Babylon Berlin“-Regisseure Tom Tykwer, Hendrik Handloegten und Achim von Borries können da locker mithalten. Weil auch sie wissen, wie man geschickt Cliffhanger setzt. Und schon ertappt man sich als Zuschauer dabei, auf den nächsten Tag zu pfeifen und trotz später Stunde noch eine (oder zwei oder drei) Episode(n) anzuschauen. Denn „Babylon Berlin“ führt uns über die Figur des Kriminalkommissars Gereon Rath und der kessen Charlotte Ritter mit ihrer Berliner Schnauze mitten hinein in die Goldenen Zwanziger. Dass dort nicht alles glänzt, wird schnell deutlich. Morde, Aufstände radikal linker und rechter Gruppen, Polizeigewalt, ein politisches Komplott. Fasziniert tanzen wir als Zuschauer mit auf diesem brodelnden Vulkan.
-Die Schauspieler
Die Hauptrolle des Gereon Rath übernimmt der Münchner Schauspieler Volker Bruch („Unsere Mütter, unsere Väter“). Die selbstbewusste Charlotte Ritter, die unbedingt in der Mordkommission arbeiten möchte – völlig ungewöhnlich als Frau zu dieser Zeit – wird von der Berlinerin Liv Lisa Fries gespielt, mit charmantem Berliner Zungenschlag. Wie immer brillant: Peter Kurth („Good Bye, Lenin!“) als Bruno Wolter, Oberkommissar der Sittenpolizei. Eine Figur, aus der nicht nur Gereon Rath nicht ganz schlau wird. Auch als Zuschauer ist man bis zuletzt hin- und hergerissen zwischen Vertrauen und Skepsis. Noch so ein spannender Charakter: Matthias Brandt als Regierungsrat August Benda, Chef der politischen Polizei. Ein väterlicher Freund für den Ermittler. In weiteren Rollen mit dabei ist die Crème de la Crème der deutschen Filmlandschaft – von Lars Eidinger über Fritzi Haberlandt und Karl Markovics bis Christian Friedel und Thomas Thieme.
-Die Musik
„Zu Asche, zu Staub“ – schon der Titelsong hat Sogwirkung und atmet den Geist der damaligen Zeit. Wie der gesamte Soundtrack. Darauf zu finden etwa stimmungsvolle Bryan-Ferry-Nummern. Der britische Sänger hat einen Gastauftritt in der Serie.
-Wie geht’s weiter?
Die Serie punktet auch auf dem Weltmarkt. 60 Länder haben die 16-Stunden-Produktion bereits erworben. Darunter unter anderem die USA, Australien, Spanien, Italien, Frankreich, Russland, alle skandinavischen Länder, die Niederlande, Belgien, Kasachstan, Aserbaidschan und die Ukraine. Weil die Serie auf der international erfolgreichen Bestsellerreihe von Volker Kutscher basiert und der weiter schreiben möchte, wird es noch genug Stoff für Weiterverfilmungen geben. Die Produzenten jedenfalls wollen weitermachen. Und die Fans? Wollen weiterschauen!