Schule, das war nichts für Gisela Schneeberger. Statt brav in der Bank zu sitzen, sorgte sie lieber für Stimmung. „In der Schule war ich der Klassenkasperl“, bekannte die Schauspielerin jüngst im „Zeit Magazin“. Nur eine Sache war ihr an der Schule wirklich wichtig: Die Theatergruppe. So ist es kein Wunder, dass die aufmüpfige Schülerin nach dem Abitur ihre Leidenschaft zum Beruf machte – nicht zuletzt, weil Theaterproben nicht in aller Frühe beginnen. „Ich bin nie gern früh aufgestanden und das war dann glaube ich der Knackpunkt“, scherzt Schneeberger in der Sendung „Zwischen Spessart und Karwendel“ im BR Fernsehen, die am kommenden Samstag um 17.45 Uhr ausgestrahlt wird. Anlass ist der 70. Geburtstag, den die umtriebige Münchnerin an diesem Mittwoch feiert.
Rund 60 Freunde und Wegbegleiter hat sie in die Maxvorstadt eingeladen – handschriftlich. Unter ihnen ist auch Schauspielkollegin Ulrike Kriener, die mit Schneeberger zuletzt für den ZDF-Zweiteiler „Bier Royal“ vor der Kamera stand. „Gisela ist eine meiner Lieblingskolleginnen“, sagt Kriener im Gespräch mit unserer Zeitung. „Sie besitzt einen unglaublichen Humor und eine große Spielfreude. Ich kann mich nicht daran erinnern, sie jemals schlecht gelaunt am Set erlebt zu haben.“
Schneeberger wurde in Dollnstein nahe Eichstätt geboren, wuchs aber in München auf. Sie war die Jüngste von drei Mädchen. Der Vater war Richter und legte Wert auf Autorität, die Mutter war Hausfrau. Die Schauspielerin ist der Beweis dafür, dass viele Talente nicht mit Noten zu messen sind. Zweimal blieb sie während ihrer Schulzeit sitzen. Das Abitur schaffte sie dennoch – 1970 mit 21 Jahren. Zunächst schrieb sie sich an der Universität in München für Psychologie ein, folgte dann aber ihrer wahren Berufung: der Schauspielerei. 1971 bekam sie einen Platz an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München, 1976 folgte ihr erstes Engagement am Schillertheater in Berlin.
„Ich hätte schon immer gern die schönen Prinzessinnen gespielt“, sagt Schneeberger dem Bayerischen Rundfunk (BR). Doch daraus wurde nicht wirklich was. Ihre Rollen sind meist so quirlig, wie sie selbst. So war es kein Wunder, dass sie mit dem Kabarettisten Gerhard Polt große Erfolge feierte. Ab 1975 arbeiteten sie zusammen, auch mit Schneebergers damaligem Ehemann, dem Regisseur Hanns Christian Müller. 1979 brachten sie im Werkraum der Münchner Kammerspiele die bitterböse Gesellschaftssatire „Kehraus“ auf die Bühne, die 1983 verfilmt wurde.
Viele bissige und meist sehr vergnügliche Auftritte folgten, etwa in der TV-Serie „Fast wia im richtigen Leben“, im Theaterstück „München leuchtet“ oder in der Urlaubs-Satire „Man spricht deutsh“, mit Polt und Schneeberger als Spießer-Ehepaar in Italien.
In Helmut Dietls Kultserie „Monaco Franze“ sorgte sie als eifersüchtige Elli für Wirbel. Mit Doris Dörrie drehte sie die Komödie „Bin ich schön?“. Ein Überraschungserfolg wurde die Kinokomödie „Eine ganz heiße Nummer“, in der drei Frauen in der Provinz eine Hotline für Telefonsex aufziehen, um Geld zu verdienen. 2019 soll die Fortsetzung anlaufen.
Schneeberger mit ihrem charmanten Münchner Zungenschlag ist vielen Zuschauern ans Herz gewachsen. Ihre Frauenfiguren haben oft Ecken und Kanten, sind temperamentvoll und warmherzig. Ihr Spiel ist von großer Leichtigkeit – und sie besitzt die wunderbare Gabe, über sich selbst lachen zu können.
Mit ihren Fähigkeiten überzeugte sie die Juroren des Grimme-Preises und des Deutschen Schauspielerpreises. 2014 bekam sie den Bayerischen Fernsehpreis für ihre Rolle in der TV-Serie „Im Schleudergang“. Als Chefin eines Waschsalons erlebt sie die Freuden und Dramen des Alltags. „Schneeberger lebt alle ihre Rollen in unnachahmlicher Manier“, lobte die Jury damals. Sie spiele die Schwabinger Unternehmerin „mit Witz undTemperament, ironisch und sich selbst persiflierend zugleich“. Warum ihr das so leicht fällt? „Ich habe ganz viele so penible, spießige auch klein karierte Seiten in mir“, sagt sie. „Aber ich kann’s auch zugeben.“