Schöne heile Welt

von Redaktion

Auf einen Tee mit Heidi Ulmke, seit 25 Jahren Produzentin der Rosamunde-Pilcher-Filme im ZDF

VON KATJA KRAFT

Balsam für die Seele schmeckt genau so: Ofenwarmer Scone, Clotted Cream, Konfitüre. Dazu frisch aufgegossener schwarzer Tee. Und schon fühlt sich München ein bisschen wie Cornwall an. Übrigens der Ort, wo dieser köstliche Rahm, den man auf die noch köstlicheren englischen Semmeln streicht, hergestellt wird. Doch noch etwas kommt aus dieser Grafschaft an der südwestlichen Spitze Englands. Seit 25 Jahren verfilmt hier das ZDF die Romane von Rosamunde Pilcher. Zum Jubiläum gibt’s am Sonntag um 20.15 Uhr einen neuen Film: In „Wo dein Herz wohnt“ balzen und bangen, verlieben und verzweifeln, hoffen und hofieren diesmal Jens Atzorn und Anna Herrmann – bis zum Happy End.

„Ohne das geht es nicht“, sagt Heidi Ulmke schmunzelnd. Sie ist seit der ersten Pilcher-Adaption im Jahr 1993 zusammen mit Michael Smeaton Produzentin der Reihe. Und weiß, was die Zuschauer erwarten, wenn sie am Sonntagabend das Programm des Mainzer Senders einschalten. „Unser Publikum wünscht sich nach einer stressigen Woche ein bisschen Balsam für die Seele. Sie möchten mit einem positiven Gefühl in die neue Woche gehen. Und nicht noch mit Mord und Totschlag konfrontiert werden wie etwa im parallel laufenden .Tatort‘.“

Übrigens auch Männer. Je älter, desto häufiger. „Wenn man sie fragt, warum sie zuschauen, kommt als Erstes der Satz ,Wegen der schönen Landschaften‘“, erzählt Ulmke. Hakt man weiter nach, gestehen sie dann doch: Diese seichten Geschichten, die gäben ein gutes Gefühl und entspannten ganz einfach. Denn im Pilcher-Land ist alles in Ordnung. Nun gut, am Ende. Davor geht es auf emotionale Schlittschuhfahrt.

Die Kritik, in den Filmen würde ein verstaubtes Frauenbild gezeichnet, lässt Ulmke nicht gelten. „Bei den ersten Geschichten ging es tatsächlich noch um die Sehnsucht nach einem Prinzen, mit dem alles gut wird. Das hat sich stark gewandelt“, betont sie. Natürlich sehnen sich die Protagonistinnen auch heute noch nach Liebe, doch finden sie diese vor allem durch Raffinesse und den geschickten Einsatz ihrer weiblichen Seiten. Das Ganze versehen mit einem Schmunzeln und auch mehr und mehr gesellschaftspolitischem Bezug.

„Einmal ging es um einen Fußballer, der seine Homosexualität verheimlichte“, erzählt Junior Producerin Anna Auer. „Oder die Geschichte über einen muslimischen Doktor, der wegen des Ärztemangels auf dem Land in die kleine englische Ortschaft zog – mit zwei Frauen, mit denen er nach islamischem Recht verheiratet war.“ Die Themen liegen auf der Straße, Ulmke und ihr Team verwandeln sie in niedrigschwellige Unterhaltung. „Verpilchern“ nennt sie das liebevoll. Und ist froh, wie gut die Arbeit mit dem ZDF gelingt. „Für den Sender ist das natürlich auch schön – anders als beim ernsten Fernsehspiel können wir in der Pilcher-Welt gesellschaftliche Problematiken so erzählen, dass sie für den Zuschauer einfacher zu konsumieren sind, unterhaltsamer.“

Weil das seit 25 Jahren ein Erfolgsrezept ist, haben sie von höchster Stelle eine Ehrung erhalten. Prinz Charles, Duke of Cornwall, lud Ulmke und vier Mitarbeiter ein, um sich persönlich zu bedanken. Denn mit jedem Filmdreh bringen sie Geld in die Region – ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor. Hinzu kommen die Fans, die inspiriert von den herrlichen Landschaftsaufnahmen als Touristen nach Cornwall reisen. Und einen Scone genießen, ofenfrisch. Dazu Clotted Cream, Konfitüre, Tasse Tee. Schöne heile Welt.

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