„Den Oscar hätte ich gern gehabt“

von Redaktion

Christiane Hörbiger wird 80 und blickt im Gespräch auf ein nicht immer leichtes Leben zurück

Es gibt nicht viele ihres Kalibers: Christiane Hörbiger ist eine der größten deutschsprachigen Schauspielerinnen – und die kommende Woche steht ganz im Zeichen dieser Grande Dame der Film- und Fernsehszene. Aus Anlass des 80. Geburtstags der gebürtigen Wienerin läuft fast täglich ein Streifen mit ihr im TV. Im Interview mit unserer Zeitung blickt sie heute zurück auf ein nicht immer unbeschwertes Leben und spricht über die große Liebe zu ihrem Sohn, dem Regisseur Sascha Bigler.

Sie werden von ARD und ZDF reich beschenkt zu Ihrem Ehrentag: zwei große Filme! Was bedeutet Ihnen das?

Ich freue mich über die schöne Geste, aber ganz ehrlich: Ich habe den beiden Sendern ja auch einiges geschenkt in meinem Schauspielerleben… (Lacht.)

Im ZDF-Thriller „Die Muse des Mörders“ (heute, 20.15 Uhr) hat Ihr Sohn Sascha Bigler Regie geführt, der ARD-Film „Einmal Sohn, immer Sohn“ (Freitag, 20.15 Uhr) ist eine Komödie. Welche Rolle mochten Sie lieber?

Ich arbeite sehr gern mit meinem Sohn zusammen, deshalb passte das gut. Die andere Rolle war aber auch einfach herrlich. Ich bin gern die boshafte Alte! Es ist doch wunderbar, wenn man alt ist und so was spielen kann, und die Leute darüber lachen. Obwohl ich mich im Gegensatz zum Film privat sehr gut mit meiner Schwiegertochter verstehe (Lacht.)

Sie geben sich in Ihren Filmen oftmals uneitel, zeigen sich ungeschminkt. Ist Ihnen das jemals schwergefallen?

Ich habe überhaupt keine Probleme damit – weder früher noch heute. Ich finde auch, kein erwachsener Schauspieler in meinem Alter sollte das haben. Für mich stellt sich diese Frage überhaupt nicht.

Sie wirken sehr im Reinen mit sich. Dabei hat das Leben Ihnen viel abverlangt: Sie haben zwei Männer verloren. Ihren Ehemann 1978 und Ihren Lebensgefährten im August 2016. Woher nehmen Sie Ihre Kraft in dunklen Zeiten?

Eigentlich durch meinen Sohn. Es ist wichtig, dass ich für ihn gesund bleibe, auch wenn er längst erwachsen ist. Ich lebe seit dem Tod meines Lebensgefährten Gerhard Tötschinger vor zwei Jahren allein, fühle mich dank meiner beiden Hunde aber nicht einsam. Manchmal spreche ich sogar mit ihnen – auch wenn sie mich immer noch nicht verstehen.

Sie haben Ihren Sohn allein großziehen müssen. Ist die Nähe zu ihm deshalb besonders groß?

Von meiner Seite aus ja. Er ist mir das Wichtigste und der liebste Mensch auf der Welt. Niemand kennt mich so gut wie er.

Wie ist es, Regieanweisungen des eigenen Sohnes entgegen zu nehmen? Musste sich das erst einspielen?

Im Gegenteil. Sascha kennt mich so gut, außerdem ist er in Los Angeles wunderbar ausgebildet worden und beherrscht sein Handwerk. Es ist eine große Freude für mich, mit ihm zusammen zu sein und auch mit ihm zu arbeiten.

Sie haben einmal gesagt: „Ich bin deshalb stark, weil ich es überwunden habe, Angst zu haben.“

Ja, das stimmt. Die größten Ängste hatte ich allerdings nie davor, auf der Straße ausgeraubt zu werden, oder vor Einbrechern. Meine größten Ängste waren immer Textausfälle im Theater – und die habe ich nicht mehr, seit ich vor der Kamera stehe.

Sie haben nur einen einzigen US-amerikanischen Film gedreht. Haben Sie jemals von Hollywood geträumt?

Von Hollywood weniger, aber den Oscar hätte ich gerne gehabt.

Sie waren 1992 immerhin nominiert!

Ja, mit „Schtonk“ damals. Ich glaube, das war auch die Rolle meines Lebens als Frau Reichsmarschall.

Verraten Sie uns das Geheimnis Ihrer Schönheit? Was tun Sie, um auch mit 80 noch so attraktiv zu sein?

Vielen Dank für das Kompliment. Eigentlich mache ich gar nichts, nur meine 30 Kniebeugen am Morgen, und ich gehe drei Mal am Tag eine halbe Stunde mit den Hunden spazieren. Ach ja, außerdem rauche ich nicht, das ist auch wichtig.

Erzählen Sie mir von der Gelassenheit des Alters. Gibt es die wirklich?

Ja, viele Ängste verschwinden. Ich habe keine existenziellen Ängste mehr, auch keine Sorge, ob mein Sohn es schafft im Leben. Der hat es schon geschafft. Früher, als ich alleinerziehend war, das war eine schwierige Zeit. Aber ich hatte Glück und erinnere mich nicht daran, dass es mal nicht so gut lief in meinem Beruf.

Was wünschen Sie sich selbst zu Ihrem Geburtstag?

Eigentlich nur, dass ich gesund bleibe. Ich träume von keiner Rolle mehr und auch nicht von der Zusammenarbeit mit einem bestimmten Kollegen. Im nächsten Jahr werde ich wieder mit meinem Sohn zusammenarbeiten. Für einen Drehtag übernehme ich eine Gastrolle. Darauf freue ich mich.

Wie werden Sie feiern? Nach Australien fliehen oder ein rauschendes Fest geben?

Nur eine Zusammenkunft im kleinsten Familienkreis.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf Ihr Leben zurück? Dankbarkeit? Wehmut? Stolz?

Also Wehmut nicht im Geringsten. Ich möchte mein Leben nicht noch einmal beginnen und noch mal führen. Mein Leben war nicht immer erfüllt und glücklich. Ich würde als Überschrift sagen: Gute Zeiten, schlechte Zeiten.

Das Gespräch führte Uta Dietsch.

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