Wenn ein Kind verschwindet, ist das für Eltern die Hölle auf Erden. Aber auch Ermittler stoßen in solchen Fällen an ihre Grenzen. Sie gehen im Extremfall Hunderten Hinweisen nach – ohne Erfolg. „Wo ist mein Kind?“ fragte die ZDF-Reihe „Aktenzeichen: XY – ungelöst“ bereits acht Mal in der entsprechenden Spezialausgabe. Heute um 20.15 Uhr steht die neunte Folge auf dem Programm – und wieder suchen Ermittler die (Fernseh-)Öffentlichkeit, um sogenannte Cold Cases, also länger zurückliegende Fälle, die noch immer nicht abgeschlossen sind, wieder aufzurollen.
Vier Schicksale stellt Moderator Rudi Cerne vor, von denen eines heraussticht. Denn Brigitte Volkert aus dem unterfränkischen Burgsinn ist nicht nur Kind, sondern schon selbst vierfache Mutter. Normalerweise macht sie ihrem Nachwuchs im Alter von damals zwei bis zehn Jahren jeden Morgen das Frühstück und bringt ihn danach zur Schule beziehungsweise in die Kita. Doch als die Kinder am 23. November 2005 aufwachen, fehlt von Brigitte Volkert jede Spur – bis heute.
Die Ermittlungen der Kriminalpolizei in Würzburg ergeben, dass die damals 27-Jährige weder Geld noch Papiere bei sich hat, als sie verschwindet. Allerdings nutzte sie ein geheimes Zweithandy, mit dem sie SMS verschickte. Hatte sie einen Geliebten?
Anders als ihr Vater hat Brigittes Mutter noch Hoffnung, dass ihre Tochter lebt. Diese Hoffnung wird allerdings erschüttert, als 2017 wenige Kilometer von Burgsinn entfernt in einem Abwasserrohr eine skelettierte Leiche gefunden wird. Zunächst geht die Kripo davon aus, dass es sich um Brigitte Volkert handelt. Doch dann ergeben rechtsmedizinische Untersuchungen, dass die Knochen zu einem 39-Jährigen aus Schweinfurt gehören, der seit 2012 vermisst wurde. Ein Fremdverschulden schließen die Ermittler hier aus, anders als im Fall Brigitte Volkert, wie Michael Zimmer, Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, auf Anfrage unserer Zeitung erläutert.
Von der erneuten Öffentlichkeitsfahndung erhofft sich Zimmer neue Erkenntnisse: „Soziale Beziehungen können sich ändern. Vielleicht will sich jemand äußern, der bisher geschwiegen hat.“ Für Hinweise, die zur Aufklärung des Falles führen, hat die Polizei eine Belohnung von 10 000 Euro ausgesetzt. Angehörige von Brigitte Volkert möchten nicht in die Öffentlichkeit, in der Sendung heute tritt deswegen „nur“ der zuständige Kriminalhauptkommissar Marco Haßmüller auf.