Vorfreude auf den neuen Job sieht anders aus. „Sylt und ich – das passt einfach nicht“, erklärt der frisch auf der Insel eingetroffene Hauptkommissar Sievers aus Kiel seinen Kollegen beim ersten Feierabendbier. „Da, wo ich herkomme, sind die Hecken nicht so hoch – und die Frisuren. Von den Nasen mal ganz zu schweigen.“ Auf seinem Kieler Kiez koste ein Käsebrot auch keine 14 Euro. Das sitzt!
Mürrisch und wortkarg kommt er daher, dieser Sievers bei seiner Premiere in der ZDF-Krimireihe „Nord Nord Mord“. Die Folge mit dem Titel „Sievers und die Frau im Zug“, die das Zweite heute um 20.15 Uhr zeigt, ist die erste nach dem Abschied von Robert Atzorn (73) alias Hauptkommissar Theo Clüver. Atzorn hatte mit dem Ausstieg aus der Serie seine TV-Karriere beendet (wir berichteten). Weiter mit an Bord sind die Ermittler Ina Behrendsen (Julia Brendler) und Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk), zwischen denen es auch immer noch amüsant knistert.
Die Fußstapfen von Robert Atzorn seien vielleicht ein paar Nummern größer als die eigenen, sagte Peter Heinrich Brix (63) während der Dreharbeiten. „Aber ich habe da gar nicht lange überlegt, sondern empfinde das als großes Geschenk und Privileg. Es ist wie im Leben: Einer geht, einer kommt – das ist doch wunderbar.“ Seine Figur, Carl Sievers, gibt sich nicht nur spröde, er bleibt auch erstmal geheimnisvoll und behält etwa gesundheitliche Probleme für sich. Auch über den Grund für seine Zwangsversetzung nach Sylt spricht er nicht. „Ich mag solche Typen mit einer ein Stück weit gebrochenen Biografie“, sagt Brix, geboren in Flensburg. „Der ist aus dem Leben – und auch sehr nordisch.“
Und darum geht’s in der ersten Folge: Kaum ist Sievers in der neuen Dienststelle angekommen, wird eine Leiche gefunden. Der Tote ist Gunnar Schneider, ein Ex-Kollege aus Kiel von der Schutzpolizei. In seinem Sylter Hotelzimmer entdecken die Ermittler eine Kamera mit Fotos des Gastronomen Oliver Kruse (Ralph Herforth), der in Lokalen auf der Insel und in der Landeshauptstadt mit Drogen dealen soll. Spielte Erpressung eine Rolle oder geht es um einen älteren Fall, den Schneider bearbeitet hatte? Damals untersuchte er eine Fahrerflucht mit Todesfolge – die kleine Tochter von Sandy Freyer (Sinja Dieks) kam dabei ums Leben. Doch wo steckt Freyer?
Neben der eigentlichen Arbeit muss sich das Ermittlertrio in der ersten Folge erst einmal einspielen. Das Pikante: Feldmann hatte sich selbst große Hoffnungen auf Sievers’ Job gemacht und wird in seinen Träumen noch immer für heldenhaften Einsatz und unschätzbare Dienste zum Leiter der Dienststelle befördert. Ganz nebenbei erfährt er von Kollegin Behrendsen, dass auch sie sich beworben hatte. Beide, noch immer kein Paar, liefern sich wieder liebevolle Frotzeleien.
Nicht einfach für Sievers. Er wolle generell jeden Versuch unterlassen, witziger sein zu wollen als die beiden miteinander, verspricht Peter Heinrich Brix. Und das ist sicher vernünftig. Zumindest am ersten Tag.