von Redaktion

Im Angesicht des Verbrechens

INTERVIEW Iris Berben über ihre Rolle als „Die Protokollantin“ im ZDF und den Serienboom

Es gilt als eines der Serienereignisse des Jahres – „Die Protokollantin“ mit Iris Berben in der Titelrolle. Die Schauspielerin verkörpert in dem ZDF-Fünfteiler eine Schreibkraft der Berliner Polizei, die jeden Tag die Details grausamster Verbrechen in den Computer tippt. Auch privat hat Freya Becker Kummer – vor elf Jahren veschwand ihre Tochter spurlos. Der Mainzer Sender zeigt die ambitionierte Serie ab diesem Samstag im Wochenrhythmus jeweils um 21.45 Uhr. Alle Episoden sind bereits in der ZDF-Mediathek zu sehen. Es ist Iris Berbens erste Serie seit Langem.

Mussten Sie für die Rolle auch das Tippen lernen?

Ich habe es in Ansätzen gelernt, darf Ihnen aber verraten: Wir haben ein bisschen gemogelt. Es gab für die Nahaufnahmen ein Handdouble, weil ich das Tippen in dieser Geschwindigkeit einfach nicht hingekriegt hätte.

Wie sah Ihre Vorbereitung sonst aus?

Ich habe mich mit realen Fällen befasst, in denen es unter anderem um Kindesmissbrauch geht. Als Protokollantin hört man von den abartigsten Taten. Ich habe eine echte Protokollantin angerufen, die mir gesagt hat, dass man manchmal psychologische Hilfe in Anspruch nehmen muss. Das hat mir die Augen dafür geöffnet, was Leute aushalten müssen, die sich mit der Aufklärung schlimmer Verbrechen befassen.

Wie lange haben die Maskenbildner gebraucht, Sie in diese graue Maus Freya Becker zu verwandeln?

Man sollte ja denken, dass es bei Rollen, in denen man so gut wie ungeschminkt ist, sehr viel schneller geht. Aber wir hatten zwar beim Gesicht weniger Arbeit, dafür bei den Haaren umso mehr, weil ich eine aufwendige Perücke getragen habe. Die Frage, wie diese Frau aussieht, war ein ganz wichtiger Aspekt für mich. Wir haben sehr viel Sorgfalt auf Kleidung, Schuhe oder den Gang verwendet, und ich habe mich um eine sehr reduzierte Mimik bemüht, damit man ihr anmerkt, dass sich Freya unter Menschen nicht mehr wohlfühlt.

Anspruchsvolle Serien boomen gerade. Haben Sie eine Lieblingsserie?

Nein, leider komme ich nicht so oft zum Schauen, wie ich möchte. Ich hoffe, dass ich in der kalten Jahreszeit wieder mehr Gelegenheit dazu habe. Aber ich versuche ganz bewusst, deutsche Serien zu schauen, denn diese enorme Veränderung auf dem Fernsehmarkt interessiert mich sehr. Was wird gemacht, wie wird es gemacht, wer wirkt dabei mit? Die sogenannten High-End-Serials sind im Trend. Wir merken es an den großen Schauspielern in Amerika, die zwischen Kinofilm und Serien hin und her wechseln, was früher ein No-Go war. Unser Fernsehleben wird sich massiv verändern, es entwickeln sich neue Sehgewohnheiten. Da hinken wir in Deutschland immer noch hinterher.

Haben die deutschen Serienmacher nicht schon ein ganzes Stück aufgeholt?

Ja, das stimmt. Wenn ich nur an Bad Banks denke oder an Dominik Grafs Im Angesicht des Verbrechens – wir stellen uns gerade gut auf. Der Serientrend wird uns auch weiterhin beschäftigen, ich hoffe nur, dass es kein weiteres Kinosterben dadurch gibt. Aber ich glaube, dass beide Formen nebeneinander bestehen können.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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