Sie sind klein und blau, tragen weiße Zipfelmützen und werden vor allem von Kindern seit Generationen geliebt – die Schlümpfe. Jetzt feiern die kleinen Kerlchen, die im Gegensatz zu ihren Fans nicht älter werden, ihren 60. Geburtstag.
Zum ersten Mal tauchten die Schlümpfe (im belgischen Original „Les Schtroumpfs“) am 23. Oktober 1958 auf, als Nebenfiguren im Comic „Johan et Pirlouit“ (Johann und Pfiffikus), veröffentlicht im Magazin „Spirou“. Dann widmete ihr belgischer Erfinder Pierre Culliford alias Peyo (1928 – 1992) ihnen eine eigene Reihe. Ihr deutschsprachiges Debüt hatten die Schlümpfe 1969 im Comic-Magazin „Fix und Foxi“. Heute kennt sie fast jedes Kind – und das nicht nur in Europa.
„Wir können auf jeden Fall von Globalisierung sprechen“, sagt Peyos Tochter Véronique Culliford, die zusammen mit ihrem Bruder das Werk des Vaters weiterführt. Nicht nur in Europa seien die Schlümpfe populär, sondern rund um den Globus. Die Schlümpfe sind nach ihren Angaben weltweit ein Verkaufsschlager mit Einzelhandelsumsätzen von jährlich etwa einer Milliarde Euro geworden.
Ein Meilenstein beim Siegeszug um die Welt war im Jahr 1975 der Film „Die Schlümpfe und die Zauberflöte“. In den Achtzigern folgte eine Fernsehserie mit 270 Episoden. Die kleinen Kobolde lösten damals eine regelrechte Manie aus, „Baby Schlumpf“ oder „Papa Schlumpf“ fehlten in keinem Kinderzimmer, die Schlumpfsprache („Heute haben wir richtig schlumpfiges Wetter.“) beherrschte die Schulhöfe. Der Schlager „Vader Abraham im Land der Schlümpfe“ hielt sich viele Wochen in den Charts.
Laut Culliford soll es im Jahr 2021 eine neue Fernsehserie geben, diesmal am Computer animiert wie der Film „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ von 2017. In Deutschland zeigt der Kinderkanal (Kika) von ARD und ZDF die Serie.
Damit wächst das Universum der Schlümpfe weiter. Zu verdanken ist der jahrzehntelange Erfolg zuallererst der Leidenschaft ihres Erfinders. Peyo widmete sein Leben der Kreation von Comic-Figuren. In den Kindheitserinnerungen seiner Tochter ist ihr Vater meist am Zeichentisch. Dazu kümmerte er sich persönlich um die Vermarktung. „Er war besessen von den Charakteren, weil er alles kontrollieren wollte“, erinnert sich seine Tochter. Bis zu seinem Tod arbeitete Peyo unablässig an neuen Zeichnungen, Szenen und Geschichten.
Auch heute noch werden die Comics wie früher zuerst auf Papier gezeichnet. Erst später verfeinern die Zeichner die Figuren dann am Computer. Sie arbeiten in einem kleinen Büro südlich von Brüssel und versuchen dabei, Peyos Original so nahe wie möglich zu kommen. Mit dieser Leidenschaft ist eine ganz eigene Welt entstanden, mit ungefähr 100 verschiedenen Schlümpfen. Dass es lange nur eine weibliche Protagonistin in Schlumpfhausen gab, die Schlumpfine, hat den Machern Kritik eingebracht. Im Film „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ tauchten dann weitere weibliche Schlümpfe auf, wenn auch in einem anderen Dorf.
Dass sich die Zeiten wandeln, zeigt sich auch bei den Fans. Während die Großeltern der heute jüngsten Fans noch Comics lasen und hin und wieder ins Kino gingen, sind die Schlümpfe mittlerweile von überall und jederzeit erreichbar, zum Beispiel auf Youtube. Und Lizenzprodukte gibt es sogar zum Essen. Laut Culliford wird jede Minute irgendwo auf der Welt ein Fruchtgummischlumpf verspeist.