Drei Stockwerke, ein Labyrinth aus 775 Zimmern und ein 16 Hektar großer Park bilden das königliche Herz von London. Der Buckingham Palace ist eines der berühmtesten Bauwerke der Welt und seit 80 Jahren Wohnsitz von Königin Elisabeth II. Mit ihrer royalen Familie hat sie den Palast in all den Jahren mit Leben gefüllt. Hier gab es Dramen und Romanzen, Hochzeiten und Todesfälle. Mithilfe von Experten und bislang unbekanntem Archivmaterial zeichnet die sehenswerte ZDF-Dokumentation „Der Buckingham-Palast“ heute um 20.15 Uhr Geheimnisse und Tragödien im britischen Königshaus nach. Der Film wirft einen spannenden Blick hinter die Palastmauern und schlägt dabei den Bogen von den bescheidenen Anfängen der Residenz bis in die heutige Zeit. Einen Vorgeschmack auf die Geschichten, die Sie über den Buckingham-Palast sicher noch nicht wussten, bekommen Sie hier:
Die dunkelste Zeit
Der Zweite Weltkrieg setzt dem Buckingham Palace schwer zu. Im Jahr 1940 wird er von 16 Bomben getroffen. Während Elisabeth und ihre Schwester Margaret Schutz in Windsor Castle finden, harrt Queen Mum eisern im zerbombten London aus und spricht den Menschen Mut zu. Die von Adolf Hitler als „gefährlichste Frau Europas“ titulierte Königin macht den Palast zu einem Schießstand und übt an den Ratten, die im Schutt herumlaufen, ihre Verteidigungskünste.
Wirbel um die Krönung
Das Fernsehen will anlässlich der traditionellen Zeremonie 1953 live aus dem Buckingham Palace übertragen und stößt mit diesem Anliegen bei den konservativen Hofbeamten auf blankes Entsetzen. So ein Blick hinter die Kulissen – viel zu intim! Außerdem sind die königlichen Kutschen kurz zuvor verkauft worden. Doch Elisabeth II. setzt sich durch. Das Schloss wird auf Hochglanz getrimmt, und 300 Millionen Menschen rund um den Globus verfolgen die Krönung von Elisabeth, die über Nacht zum Weltstar wird.
Schwiegermutter-Trick
Mit der Krönung von Elisabeth stünde eigentlich auch ein Umzug ihrer Mutter nach Clarence House an. Doch der heutige Wohnsitz von Prinz Charles ist der energischen alten Dame viel zu klein. Zum Leidwesen von Elisabeths Ehemann Prinz Philip, den es zunehmend nervt, dass die Schwiegermutter sich überall einmischt. Also lässt er an einem besonders kalten Wintertag die Heizung in ihren Gemächern abstellen. Queen Mum zieht beleidigt ab, versäumt es aber auch nach ihrem Auszug nicht, ihre Tochter jeden morgen um 9.30 Uhr anzurufen, um sie an ihre Pflichten zu erinnern.
Royals in Gefahr
Im Jahr 1974 erschüttert ein brutaler Entführungsversuch das Königshaus. Prinzessin Anne, ihr Ehemann Mark Phillips und ihr Bodyguard sind im Auto auf dem Weg nach Hause, als ein Kidnapper die Limousine kurz vor dem Palast stoppt. Der Leibwächter schützt die Prinzessin und wird von drei Kugeln getroffen, ehe ein Passant den Entführer überwältigen kann. 1982 gelingt es dem Einbrecher Michael Fagan, bis zum Bett der Königin vorzudringen. „Er war kein besonders kluger Gauner, aber ein großartiger Fassadenkletterer“, erinnert sich der Polizeichef im ZDF-Film. „Er wollte einfach mal die Queen sehen.“ Der Mann wird überwältigt und in eine psychiatrische Anstalt gebracht.
Öffnung des Palastes
Nach einem Großbrand in Windsor Castle öffnet Elisabeth 1993 erstmals einen Teil des Buckingham-Palasts für die Öffentlichkeit. Der Andrang ist überwältigend. Seitdem sind einige der Räumlichkeiten im Westflügel im August und September für Besucher geöffnet. Von den Eintrittsgeldern ließ die Königin damals Windsor Castle restaurieren.
Zukunft des Palastes
Buck-House, wie der Palast umgangssprachlich gern genannt wird, ist in die Jahre gekommen und muss dringend renoviert werden. Eine Generalüberholung wird auf 400 Millionen Euro geschätzt. Doch wie soll das finanziert werden? Darüber wird wohl Prinz Charles entscheiden. Der Thronfolger würde das Schloss am liebsten ganz für die Allgemeinheit öffnen und zum reinen Museum und Arbeitsplatz für die Verwaltung machen. Er zieht es vor, in Clarence House zu leben.