„Es ist unsere Aufgabe zu warnen“

von Redaktion

Moderator Rudi Cerne über die Neuauflage des ZDF-Klassikers „Vorsicht, Falle!“

Es ist ein Klassiker, der den Namen verdient: Von 1964 bis 2001 lief „Vorsicht, Falle!“ im ZDF, zunächst präsentiert von Eduard Zimmermann (1964 bis 1997), dann von seiner Tochter Sabine Zimmermann (1998 bis 2001). Vor einiger Zeit berichteten wir, dass das Zweite das Format neu auflegt – mit Rudi Cerne, der auch schon bei „Aktenzeichen XY… ungelöst“ in die Fußstapfen von „Ganoven Ede“ trat. Am Samstag läuft um 15.15 Uhr die erste Folge. Im Interview mit unserer Zeitung spricht der 60-jährige Moderator über die Gründe der Neuauflage, zeigt Verständnis für Opfer, die in die Fänge von Betrügern geraten, und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Was hat Sie dazu bewogen, die Reihe „Vorsicht, Falle!“ wiederzubeleben?

Wir hatten vor etwa zwei Jahren ein „Aktenzeichen“-Spezial zum Thema Betrug, und die Resonanz darauf war sehr groß. Es ging da um Frauen, die von Heiratsschwindlern um ihr gesamtes Erspartes gebracht wurden. Es ging um den Enkeltrick, es ging um Fallen im Urlaub. Unglaublich viele Menschen haben uns daraufhin angerufen und gesagt: „Uns ist genau das Gleiche widerfahren!“ Es gibt also einen großen Aufklärungs- und Informationsbedarf in diesem Bereich. Daraus ist dann die Idee entstanden, die Sendung wieder ins Programm zu nehmen.

Was wird anders sein als beim Original?

Im Kern sind wir uns treu geblieben. Wir stellen die Fälle filmisch dar, und es kommen Opfer zu Wort – im Einspieler oder im Studio. Natürlich ist die Produktionsqualität eine andere geworden, die Filme sind besser.

Welcher wird der spektakulärste Fall der ersten Sendung sein?

In der ersten Ausgabe kommt der sogenannte CEO Fraud zur Sprache, der allein in Deutschland einen jährlichen Gesamtschaden im zweistelligen Millionenbereich verursacht. Der Trick funktioniert so, dass jemand eine Mail schickt – mit einer nur geringfügig veränderten Absenderadresse – , in der er sich als Geschäftsführer des Unternehmens ausgibt und darum bittet, ihm schnell eine hohe Summe zu überweisen. Durch die professionelle Art, in der die Nachricht verfasst ist, und den Überrumpelungseffekt kommt der Betrüger erstaunlich oft ans Ziel.

Was sind derzeit die gängigsten Betrugsmaschen?

Immer noch der sogenannte Enkeltrick, bei dem sich Betrüger als nahe Verwandte des potenziellen Opfers ausgeben, und falsche Polizisten, die den Leuten vorgaukeln, ihr Geld sei auf der Bank oder zu Hause nicht mehr sicher.

Man sollte doch meinen, dass sich im Zeitalter der Online-Medien Berichte über Betrugsfälle viel weiter verbreiten und folglich mehr Menschen gewarnt sein müssten.

Das mag in der Theorie stimmen. In der Praxis glauben zu viele, dass ihnen so etwas nicht passieren kann. Aber, um noch mal auf die modernen Heiratsschwindler zurückzukommen: Liebe macht blind! Die Betrüger sind so geschickt, dass die Frauen wirklich glauben, dass der, mit dem sie da kommunizieren, tatsächlich der Traummann ist, der sie und nur sie meint. Ein Kommissar hat mir mal vom Fall einer Ärztin erzählt, die einem solchen Typen nach und nach 400 000 Euro überwiesen hat. So etwas gibt’s eben. Deswegen ist es unsere Aufgabe, wieder und wieder vor solchen üblen Tricks zu warnen.

Der Sendeplatz am Samstag um 15.15 Uhr liegt ein bisschen abseits des Publikumsinteresses, oder?

Na ja, schlimmer wäre um 18 Uhr, denn da läuft im Ersten die „Sportschau“. (Lacht.) Wir probieren das jetzt mal aus, und wenn es nicht so gut läuft, sehen wir weiter.

Ihre Faustregel, wie man sich am besten vor Betrügern schützt?

Immer wachsam sein, immer skeptisch sein und nie schnell irgendetwas an der Haustür unterschreiben. Lieber eine Nacht drüber schlafen und einen Familienangehörigen hinzuziehen.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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