Die Tarnung ist perfekt. Sandra Wellmann (Petra Schmidt-Schaller) hat alle nötigen Sicherheitsprüfungen bestanden und die Stelle als Assistentin von Treuhandchef Hans-Georg Dahlmann (Ulrich Tukur) bekommen. Er soll die Unternehmen der DDR aus Volkseigentum in private Hände überführen. Bald ist er einer der meistgehassten Männer Deutschlands; Hunderttausende verlieren nach Privatisierungen ihren Arbeitsplatz. Dahlmann ahnt nicht, dass Sandra von der dritten Generation der RAF als Informantin bei ihm eingeschleust wurde. Um ihren inneren Konflikt kreist der zweiteilige Politthriller „Der Mordanschlag“ von Miguel Alexandre. Das ZDF strahlt ihn am kommenden Montag und Mittwoch jeweils um 20.15 Uhr aus.
Für die spannende Handlung werden Ereignisse der jüngeren Vergangenheit vermischt – etwa der Hergang der Attentate auf Jürgen Ponto und Treuhand-Chef Detlev Rohwedder. „Wir setzen darauf, dass das Publikum erkennt, welche Ereignisse und Menschen gemeint sind“, sagt Alexandre. „Andererseits mussten wir verdichten. Die RAF-Angehörigen Birgit Hogefeld und Wolfgangs Grams verschmolzen zur Figur Bettina. Sandra ist eine Mischung aus Susanne Albrecht und Ulrike Meinhof.“ Eine Dokumentation greift am 7. November um 21.45 Uhr den historischen Hintergrund auf und stellt sich den noch offenen Fragen und Spekulationen.
Alexandre nimmt sich die erzählerische Freiheit, um aus den bekannten Fakten einen fesselnden Politthriller zu bauen. „Die Familie Rohwedder kannte das Drehbuch und bat nur um einige kleine Änderungen, um ihre Privatsphäre zu schützen.“
Dahlmann macht sich Feinde – in den Chefetagen der deutschen Industrie, bei der RAF und bei der Stasi. In wessen Auftrag und von wem er ermordet wird, lässt der Film offen. „Ich bevorzuge die Stasi-Theorie. Die Logistik erforderte Attentäter mit einer perfekten Ausbildung“, erzählt der Regisseur. „In der Nähe von Berlin hatte die Stasi ein Übungsgelände für Scharfschützen, wo die gleichen topografischen Bedingungen herrschten wie vor dem Haus von Rohwedder.“
Regisseur Alexandre hat einen handwerklich soliden Zweiteiler produziert. Darüber hinaus lässt er die Atmosphäre der Neunzigerjahre wieder aufleben. Viele Menschen in der DDR hatten den Eindruck, dass sie von den Besser-Wessis um die Früchte ihrer friedlichen Revolution gebracht wurden. Die Entwertung von Lebensentwürfen und sozialen Folgen führten zu politischen Verwerfungen, die heute sichtbar werden.