Raus aus dem Duden!

von Redaktion

Immer wieder werden Wörter aus der Rechtschreib-Bibel verbannt – Gründe und Beispiele

VON CHRISTOPH ARENS

Sprache lebt. Wörter werden geboren – und sterben. Im Buch „Was nicht mehr im Duden steht“ (Duden-Verlag, 15 Euro) erinnert Lektor Peter Graf nun an Wörter, die an Altersschwäche gestorben oder die auf der Wortmüllkippe gelandet sind. Alle drei bis fünf Jahre wird das Rechtschreibewerk aktualisiert, erläutert Graf. Grundlage ist eine elektronische Textsammlung, der „Dudencorpus“, der mittlerweile mehr als 4,5 Milliarden Wortformen umfasst, geerntet aus literarischen Texten, Zeitungsartikeln bis hin zu Bastel- und Gebrauchsanleitungen.

Ein riesiger Wortschatz, der ständig wächst. So enthielt der „Urduden“ von 1880 gerade mal rund 27 000 Einträge. 145 000 Stichwörter verzeichnet die jüngste Auflage. Darunter 5000 neue Wörter von „Bierdusche“ bis „Livestream“. Doch immer wieder verschwinden auch Begriffe, weil sie in der Umgangssprache nicht mehr verwendet werden. Die „Sommerfrische“ beispielsweise hat vom Duden den Stempel „veraltend“ aufgedrückt bekommen.

Dabei versprühen viele der Begriffe immer noch Charme: Im „Honigseim“ (ungeläuterter Honig, wie er aus den Waben abfließt) klingt das Schmeichlerische („Seine Rede war süß wie Honigseim“) noch mit. Auch Verben wie „fuchsschwänzeln“ („nach dem Mund reden“) oder „verschimpfieren“ („beschimpfen“) lassen Bilder im Kopf entstehen.

Manches verbannte Wort allerdings klingt für heutige Ohren nur noch altbacken. Der „Überschwupper“ (Verdeutschung von „Pullover“) wurde schon 1941 aus dem Duden getilgt. Der „Schwitzer“ (Verdeutschung von „Sweater“) verschwand in den 60er-Jahren. Der „Nuditätenschnüffler“ (1934 gestrichen) verweist ebenfalls auf eine andere Zeit: Diese Typen entstammten dem prüden Kaiserreich und durchkämmten Museen, Parks und Bibliotheken, um alles Nackte und Anzügliche auszumerzen.

Der Duden-Wortfriedhof erzählt auch politische Geschichte. Weil Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg seine Kolonien verlor, verschwanden Ortsnamen wie „Lüderitzland“. Auch die deutsche Teilung schlug sich nieder – in einen West- und einen Ost-Duden. „Kollektiv“ stand gegen „Team“, „Kaufhalle“ gegen „Supermarkt“. 1991 lag wieder ein Einheitsduden vor. Nur wenige DDR-Spezifika schafften es nicht in das gemeinsame Werk, etwa „Thälmannpionier“ und „Hausfrauenbrigade“.

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