Deutschlandtrend

von Redaktion

Für das ZDF lotete Markus Lanz die Stimmung der Menschen in Nord, Süd, Ost und West aus

VON RUDOLF OGIERMANN

Der Moderator am „Büdchen“ in Bottrop (Nordrhein-Westfalen), im Gespräch mit einer Lehrerin in Berlin, mit den Betreibern eines Fischgeschäfts auf dem Münchner Viktualienmarkt oder mit einem Soziologen in Mecklenburg-Vorpommern – Markus Lanz, sonst Gastgeber der gleichnamigen Talkshow am späten Abend im ZDF, hat für dieses Projekt das Studio verlassen und sich auf eine Reise kreuz und quer durchs Land gemacht, um etwas über die aktuelle Stimmung der Menschen zu erfahren. „Markus Lanz – Deutschland!“ heißt dieses eineinhalbstündige Format von Silke Gondolf, zu sehen heute um 23.15 Uhr im Programm des Mainzer Senders.

„Wie erleben die Deutschen ihr Land, wie leben sie in ihrem Land?“ – so lautet die recht vage Kernfrage dieses Films, in der Lanz – ganz investigativer Reporter – (nach-)fragt und auch immer wieder selbst mit der Fotokamera hantiert. Strukturwandel, Tradition, Migration und Nationalismus sind die naheliegenden Themen, um die es hier geht und zu denen jeder der Befragten mit seinen eigenen Worten Stellung nimmt. Bekenntnisse zur Heimat, die man nicht verlassen will, auch wenn die Lebensbedingungen schlecht sind, kommen ebenso vor wie die Vorbehalte gegenüber der Politik und namentlich Angela Merkel.

Manchmal sind Lanz’ Fragen ein wenig suggestiv, immer wieder gelingt es ihm aber auch, zum Kern vorzustoßen, etwa wenn die Berliner Lehrerin Anja Gottschalk betont, dass „Multikulti“ in der Schule funktioniert, „wenn alles gut durchmischt ist und nicht eine Gruppe die Oberhand gewinnt“. Erwartbar die Dialoge in München und Umgebung, wo der Moderator auf die sprichwörtliche bayerische „Andersartigkeit“ anspielt und prompt die passenden Antworten bekommt. „Mia san oiwei no mia!“ sagt da ein Trachtler aus dem Dachauer Land lachend, und Anna Lena Huber, Tochter eines Schreiners aus Petershausen, bringt es auf die Formel: „Wir sind nicht wie der Rest von Deutschland, aber trotzdem normal.“

Das Beispiel der Hubers, die ihren Betrieb in der fünften Generation führen, zeigt aber auch, wo es im Großraum München brennt. So spielen Benno und Anna Lena Huber mit dem Gedanken, eine Immobilie zu erwerben, um den eigenen Beschäftigten bezahlbaren Wohnraum bieten zu können. Das Problem der explodierenden Preise für Miete und Wohneigentum spricht auch Norbert Göttler, Bezirksheimatpfleger im Bezirk Oberbayern und Autor unserer Zeitung, ohne Umschweife an: „Durch Arbeit kann man hier kein Haus oder kein Grundstück mehr erwerben, das muss schon ererbt sein.“

Überhaupt sorgen die Experten, die Lanz neben den „normalen“ Menschen befragt, für Substanz in diesen Film. So zitiert der Soziologe Heinz Bude eine Studie, derzufolge sich 80 Prozent der Befragten zufrieden mit ihrer persönlichen Situation äußern, von diesen wiederum jedoch 60 Prozent der Meinung seien, dass in Deutschland vieles falsch laufe.

Und die Psychologin Beate Mitzscherlich fasst in wenigen Worten die spezifisch ostdeutsche Befindlichkeit zusammen: „Im Jahr 1989 wollten alle ,in den Westen‘. Inzwischen sind die Entfremdungserfahrungen für manche ein Grund, zu sagen: ,Wir haben unsere Heimat verloren‘.“

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