Es war die Serie des Jahres und die mit einem Budget von 40 Millionen Euro ausgestattete teuerste Produktion dieser Art, die es je im deutschen Fernsehen gegeben hat: „Babylon Berlin“. Gestern liefen die finalen Folgen der zweiten Staffel im Ersten – heute ziehen wir Bilanz. Wie waren die Quoten? Wie viele Abrufe hat die ARD in ihrer Mediathek verzeichnet? Wie geht es weiter mit den rasanten Geschichten aus dem Berlin der Zwanzigerjahre? Kurzum: Was bleibt von „Babylon Berlin“?
Die Schauspieler
Von diesen beiden wird man noch viel hören: Volker Bruch (38), der schon in „Unsere Mütter, unsere Väter“ überzeugte, spielte auch die Hauptrolle in „Babylon Berlin“ als Kölner Kommissar Gereon Rath überragend gut. An seiner Seite die 27-jährige Liv Lisa Fries als seine Kollegin Charlotte Ritter. Auch sie hinreißend stark – und bereits interessant für Hollywood: In der US-Serie „Counterpart“ wird sie neben Jonathan Kimble Simmons zu sehen sein.
Der heimliche Star
Eindeutig Peter Kurth. Der 61-Jährige glänzte als Raths Vorgesetzter Bruno Wolter, der mit den rechten Verschwörern unter einer Decke steckt. Der verdiente Lohn: Die Produktionsfirma Saxonia Media entwickelt derzeit eine eigene Miniserie für den gebürtigen Rostocker, der auch in der ZDF-Reihe „Die Protokollantin“ mit Iris Berben zum Niederknien gut ist. Das neue Projekt soll „Hart“ heißen und in Köln spielen. Im Mittelpunkt ein Mann (Kurth), der nach 40 Jahren wieder in seiner Heimatstadt auftaucht.
Die Quoten
Die ersten 14 gesendeten Folgen hatten im klassischen Fernsehen durchschnittlich 5,11 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 16,5 Prozent. Das klingt zunächst nicht nach einem Riesenerfolg – ist es aber doch. Denn viele Fans der Serie schauten sich die Folgen in der ARD-Mediathek an. Bis zum vergangenen Sonntag (4. November) wurden bereits 9,76 Millionen Videoabrufe registriert. Absoluter Rekord! Die Messungen beziehen sich dabei „nur“ auf PC und Laptops, nicht aber auf Tablets und Smartphones, die nicht erfasst werden können. „Angesichts der für deutsche Zuschauer und Zuschauerinnen ungewohnt komplexen Erzählweise dieser Serie sind die Quoten durchaus beachtlich“, analysiert die Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher von der Universität Hamburg. Der Hype um die Serie schlägt sich auch auf das Hörbuch nieder: In der ARD-Audiothek können Beiträge von mehr als 60 öffentlich-rechtlichen Hörfunkwellen abgerufen werden. Mit mehr als 300 000 Abrufen war wie bereits berichtet „Der nasse Fisch“ zuletzt Spitzenreiter – das Hörspiel nach dem Bestseller von Volker Kutscher, auf dem die Serie basiert.
Kooperation mit Sky
Das war neu: Erstmals machte die ARD bei einer Produktion gemeinsame Sache mit dem Bezahlsender Sky. Dort lief „Babylon Berlin“ ja zunächst. Für den ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, ist das auch ein Modell für die Zukunft – allein schon, um mit hochwertigen US-Produktionen mithalten zu können. Im Netzzeitalter sei das Eingehen von Allianzen unabdingbar, um große Budgets zu stemmen, sagte er schon vor einiger Zeit. Geld in die Kassen spült auch das internationale Geschäft: Die Serie verkaufte sich bisher in mehr als 90 Länder und bekam bereits mehrere Preise.
Wie geht es weiter?
Drehstart für die neue Staffel soll schon bald sein. Das Buch wurde wieder nach einer Vorlage von Volker Kutscher verfasst, die Regie bleibt bei Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries. Und auch danach könnte es noch weitergehen. Christine Strobl, Geschäftsführerin der ARD-Produktionstochter Degeto, erklärte, dass es noch viel Stoff zum Verfilmen gäbe. Kutscher habe schließlich angekündigt, er wolle noch mindestens drei weitere Bände schreiben.