„Das Publikum geht auf die Barrikaden“

von Redaktion

„Mutter Beimer“ will die ARD-Entscheidung, die „Lindenstraße“ einzustellen, nicht akzeptieren

VON THOMAS BREMSER, MARTIN OVERSOHL UND RUDOLF OGIERMANN

Die Nachricht vom Aus für die „Lindenstraße“ (wir berichteten) hat nicht nur viele Zuschauer und Prominente erschüttert. Auch für die Darsteller war die Entscheidung des verantwortlichen Westdeutschen Rundfunks (WDR) wie eine kalte Dusche – völlig unerwartet. Aber es regt sich bereits Widerstand. An die Spitze des Protestes hat sich „Mutter Beimer“ alias Marie-Luise Marjan gesetzt. Sie habe am Freitag um 17 Uhr den Anruf von „Lindenstraße“-Macher Hans W. Geißendörfer bekommen, so Marjan am Rande eines Promi-Golfturniers in Griechenland gegenüber unserer Zeitung. „Ich bin irritiert und enttäuscht, denn die ,Lindenstraße‘ ist eine Marke. Sie ist ein Teil meines Lebens!“, so die 78-Jährige weiter. Es sei mehr als traurig, es sei enttäuschend. Sie könne die Entscheidung nicht nachvollziehen: „Die ARD hat einen öffentlich-rechtlichen Auftrag“, sagte sie: „Und wir müssen doch ein gehaltvolles Programm bekommen.“

Die Kultserie wird wie berichtet im März 2020 eingestellt, nicht zuletzt wegen des mittlerweile stark gesunkenen Publikumsinteresses. Im laufenden Jahr sahen nur noch 2,18 Millionen Fans regelmäßig zu, vor zehn jahren waren es noch 3,5 Millionen, vor 20 sogar noch über 6 Millionen. Hart für die Schauspieler, die viele Jahre die Gesichter der Serie waren und so mit ihren Rollen identifiziert wurden, dass sie kaum noch andere Engagements bekamen.

So wie Andrea Spatzek (59), seit 1985 als Gabi Zenker in der „Lindenstraße“ zuhause. Auch sie zeigte sich schockiert: „Das ist ein Hammer. Man ist echt bestürzt, wenn man das so plötzlich gesagt bekommt“, sagte sie der „Bild“-Zeitung. Sie habe eine Träne verdrückt, als sie die Nachricht bekam, gestand sie. Von einer „deutschen Institution“ sprach Schauspieler und Regisseur Til Schweiger, der einst den Jo Zenker spielte. „Ich finde das sehr schade“, so der 54-Jährige, der bei der „Lindenstraße“ für den Kinofilm „Manta, Manta“ entdeckt wurde. „In der ,Lindenstraße‘ hat alles für mich begonnen, daher bin ich dankbar.“ Auch für Schauspieler Joachim Luger (75), der noch bis vor wenigen Wochen als „Vater Beimer“ zu sehen war, äußerte sich „schockiert“. „Mein Herz blutet für meine Kollegen und das ganze Team“, wird Bill Mockridge zitiert, der 2015 als Erich Schiller den Serientod erlitt: „Hier stirbt ein Stück deutsche Fernsehgeschichte, egal wie man zu der Serie steht.“ Verständnis äußerte dagegen Christian Kahrmann (46), der einst den Benny Beimer spielte: „Ich denke, das sind die Zeichen der Zeit. Die Sehgewohnheiten der Menschen haben sich einfach stark verändert.“

Für „Mutter Beimer“ bedeutet die Entscheidung nicht das endgültige Aus der „Lindenstraße“. Sie erhalte enorm viele aufmunternde Schreiben und Mails, erzählte Marie-Luise Marjan der „Bild“ und zeigte sich überzeugt: „Das Publikum wird sicher auf die Barrikaden gehen!“

Artikel 2 von 2