Reden über Pop- und Rockmusik im Radio – das war lange Männersache. Bis Stefanie Tücking kam und die Branche aufmischte. Nun ist die Moderatorin, die seit den Achtzigerjahren Generationen von jungen Hörern im süd- und südwestdeutschen Raum durch den Tag begleitete, im Alter von 56 Jahren überraschend gestorben.
Stefanie Tücking, „die Tück“, wie sie Freunde und Kollegen nennen durften, ist nicht die Einzige, die ihre Karriere bescheiden mit diesen zwei Worten begründet: „Glück gehabt.“ – Aber ganz sicher waren es vor allem ihr immenses musikalisches Wissen, ihre herzliche Ausstrahlung, ihre natürliche Eloquenz und ihre Fähigkeit zum Flirt mit der Kamera, die die junge Frau aus dem rheinland-pfälzischen Kaiserslautern in einer Zeit der Fernsehrevolution, dem Start der Privaten, ganz schnell in die erste Reihe katapultierte.
Nach ersten Erfahrungen beim jungen „Kabelsender“ Musicbox landete Tücking gleich in der ARD, wo sie 1986/87 die Sendung „Formel 1“ moderierte, ein damals völlig neues Format, in dem Musikvideoclips präsentiert wurden. Mit erst 24 Jahren erhielt Tücking dafür die Goldene Kamera, fortan war sie bundesweit bekannt, weitere Sendungen folgten, oft ging es um Musik, Sport, schnelle Autos.
Burschikos und attraktiv, kess, ohne gleich „gschert“ sein zu müssen – die Frau ohne Lampenfieber war in den Achtzigern und Neunzigern in ihrem Job so gut wie ohne weibliche Konkurrenz. Kein Wunder, dass Aufgaben wie die Moderation großer Musikveranstaltungen wie das „SWR 3 New Pop Festival“ oder „Rock am Ring“ auf sie warteten. Doch Radio war und blieb bis zuletzt ihre Passion. Für Bayern 3 entdeckt von Thomas Gottschalk, startete Tücking ab 1988 bei SWF 3 und später SWR 3 durch, moderierte von der Morgensendung über den legendären „Popshop“ bis zur ARD-„Popnacht“ alles.
„Ganz besonders, wenn es um Musik ging, um neue Bands, um die harten Töne – dann war sie in ihrer Welt“, erinnert man sich in Baden-Baden an die Kollegin, die David Bowie verehrte und selbst in der SWR-3-Band aktiv war. Bei aller Affinität zur Musik legte Tücking stets Wert auf guten Journalismus, suchte die Herausforderung, Tag für Tag die optimale Sendung zu machen. Radio „ist direkt, schnell, und ich kann alles selbst machen. Ich bin also Redakteurin, Produzentin und Moderatorin in Einem“, beschrieb sie begeistert ihre Arbeit.
Ihr privates Leben teilte die „Powerfrau ohne Allüren“, so SWR-3-Programmchef Thomas Jung, vor allem mit ihren Hunden, ihren „Prinzen“, wie sie sie nannte, sie fuhr Motorrad, liebte Pferde und die Natur. Dass die Frau mit dem unverwechselbaren, leicht heiseren Timbre über drei Jahrzehnte hinweg immer wieder neue Hörer gewinnen konnte, dass sie durch ihr Beispiel dafür sorgte, dass der weibliche Moderatorennachwuchs schon lange nicht mehr nur „Sidekick“ der Männer ist, war ihr vermutlich nicht bewusst. Das wird bleiben, auch wenn ihre Stimme jetzt für immer verklungen ist.