Es war kein Interview wie jedes andere am Samstagabend im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF. Gastgeberin Dunja Hayali hatte Radsportlerin Kristina Vogel zu Gast, die seit einem schweren Trainingsunfall am 26. Juni dieses Jahres querschnittsgelähmt ist. Hayali befragte die 28-Jährige in dem knapp halbstündigen Gespräch zu ihrem Leben mit und nach dem Schicksalsschlag. „Wir haben einen Deal vereinbart – ich darf alles fragen, aber Sie müssen nicht auf alles antworten“, so Hayali, die von Vogel im Lauf des Interviews auch wissen wollte, ob sie in den Monaten nach dem Unfall auch einmal an Suizid gedacht habe. „Nein, niemals“, lautete die Antwort, daran dürfe man nicht denken: „Das Leben geht weiter und ist trotzdem schön.“
Vor allem diese Frage der 44-jährigen Moderatorin löste in den Sozialen Netzwerken eine kontroverse Diskussion aus. „Einige Fragen waren wirklich so was von unverschämt“, schrieb Jana Ferry bei Twitter: „Und als selbst Behinderte meine ich, mir ein Urteil erlauben zu dürfen.“ Von einem „absoluten Tiefpunkt“ sprach Joerg Stiller. Andere lobten Hayalis Gesprächsführung: „Ich bin immer noch beeindruckt“, schrieb Hülya Teke, und Franziska Schreiber meinte: „Die Frage war mutig und wichtig!“ Vogel habe dadurch „die Gelegenheit bekommen, Betroffenen Mut zu machen. Und die hat sie genutzt.“
Hayali selbst verwies via Twitter auf die Absprache mit der Interviewpartnerin im Vorfeld der Sendung. Darüber hinaus habe sie – mit Blick auf den einstigen Nationaltorhüter Robert Enke – ein Tabu brechen wollen, so die Journalistin. Enke hatte sich im Jahr 2009 das Leben genommen.
Vogel selbst sprang Hayali bei. „Danke für die Zeit, die mir gegeben wurde, um meine Geschichte erzählen zu können“, formulierte sie bei Twitter: „Danke auch an Dunja Hayali für ein sehr angenehmes, aber auch sehr ehrliches Interview.“
RUDOLF OGIERMANN