Weniger Drama, bitte

von Redaktion

„TATORT“-KRITIK Roeland Wiesnekker erklärt den Kölner Krimi zur großen Theaterbühne

VON ASTRID KISTNER

Sein Alltag als Streifenhörnchen ist alles andere als possierlich. Nach langen Nächten auf der Straße hängt der Geruch von Doppelkorn und Kotze in seiner Uniform oder, wie es Polizist Frank Lorenz so schön sagt: der Duft des Deutzer Bahnhofs. Der Kölner „Tatort“ bringt ein Stück raue Wirklichkeit in die warmen Wohnzimmer und schickt die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) zurück an die Basis.

Dort treffen sie „Schenkis“ alten Kumpel Frank Lorenz (Roeland Wiesnekker) von der Polizeischule, dem bei einer Verkehrskontrolle ein flüchtiger junger Mann vor die Straßenbahn gelaufen ist. Auf den ersten Blick ein tragischer Unfall, doch Lorenz ist überzeugt, dass die Russenmafia ihre Finger im Spiel hat…

„Weiter, immer weiter“ ist der Titel der Episode, die zwischen Wahn und Wirklichkeit changiert. Sehr geschickt inszeniert Sebastian Ko, der schon ein paar herausragende Krimis aus Köln geliefert hat, das Verwirrspiel aus Verschwörungstheorien und realen Ermittlungsergebnissen (tolle Kameraarbeit von Anton Moritz).

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist aber der schwer durchschaubare Streifenpolizist Lorenz, gespielt von Roeland Wiesnekker. Als schauspielerisches Schwergewicht stemmt er die Rolle mühelos, füllt sie aber in einigen Szenen mit so viel bühnenhafter Präsenz, dass es theatralisch wirkt. Etwas weniger Drama hätte es an mancher Stelle auch getan. Dabei hat Wiesnekker, der dem rastlosen Beamten durchaus Profil verleiht, bereits „Tatort“-Erfahrung: In vier Fällen gab er den Vorgesetzten der Frankfurter Kommissare Brix (Wolfram Koch) und Janneke (Margarita Broich). In diesem Kölner „Tatort“ aber genießt er spürbar sein großes Solo.

Artikel 3 von 3