Einer muss den Job ja machen

von Redaktion

Heute startet die rabenschwarze ARD-Serie „Labaule & Erben“ – eine Idee von Harald Schmidt

VON ASTRID KISTNER

Es ist nicht leicht, der Sohn einer Verlegerlegende zu sein. Erst recht nicht, wenn der Herr Papa samt Bruder beim Segway-Ausflug über eine Klippe stürzt und damit ein führungsloses Imperium hinterlässt. Labaules Erben sind heillos überfordert. Allen voran Sohn Wolfram Labaule (gesprochen Labohl), Lebemann und Literaturliebhaber, dem noch nicht einmal die Mutter die Leitung des Verlags zutraut. Nach einer Idee von Harald Schmidt entstand die schwarzhumorige Miniserie „Labaule & Erben“, die das SWR Fernsehen heute um 22 Uhr startet. Eine Perle im dritten Programm der baden-württembergischen Nachbarn – zumindest, wenn man ein Faible für bissige Gesellschaftssatiren hat.

Einen Vorgeschmack auf die sechsteilige Reihe mit Uwe Ochsenknecht in der Hauptrolle gab’s bereits im vergangenen Sommer auf dem Münchner Filmfest. Warum die Veranstalter damals nicht die erste Episode zeigten, wird beim Anschauen der Auftaktfolge klar: Etwas schleppend verläuft die Einführung der treffend gezeichneten Charaktere, die ihr Potenzial in einigen wunderbar gedrechselten Dialogen aufblitzen lassen. Dranbleiben lohnt sich, denn im Verlauf der Geschichte bekommen alle ihr Fett weg: überhebliche Medienschaffende, planlose Verleger, korrupte Lokalpolitiker, die junge Online-Elite und natürlich auch die liebe Familie. „Print ist tot!“, wettert etwa Wolframs gierige Mutter (Irm Hermann), die den ganzen Laden am liebsten an die Boulevardkonkurrenz verscherbeln würde, aber Wolfram (Ochsenknecht) ist beseelt vom Gedanken, einmal in seinem Leben über sich hinauszuwachsen. Ein schwieriges Unterfangen für einen, der bisher nur seine Babycashmere-Pullis nach Farben sortiert hat. „Wie ist ihr strategischer Ansatz für 2020?“, will die ehrgeizige Assistentin von Wolfram an dessen erstem Tag als Verleger wissen. „Ich wünsche mir gute Geschichten, zufriedene Mitarbeiter und ein angenehmes Arbeitsklima“, stammelt der ahnungslose Nachfolger und sorgt damit für betroffene Gesichter bei der Belegschaft. So viel Naivität hätte noch nicht mal die frustrierte Redaktion erwartet.

„Labaule & Erben“ ist ein echter Glücksfall, der auch im Hauptabendprogramm der ARD einen Platz verdient hätte. Die Reihe, die das Autorentrio HaRiBo (Hanno Hackfort, Richard Kropf, Bob Konrad) um Kabarettist Harald Schmidt mit einem Humor beschenkt hat, den man sonst nur aus rabenschwarzen Ösi-Serien kennt, hebt sich erfrischend vom üblichen Fernseh-Allerlei ab. In seiner vielleicht besten Rolle ist Hauptdarsteller Uwe Ochsenknecht zu sehen. Er spielt den nichtsnutzigen Schöngeist mit solcher Hingabe, dass selbst Harald Schmidt erstaunt war. „Was aber an meiner mangelnden Fantasie lag“, wie der 61-jährige Entertainer einräumt. Alle sechs Folgen, die schon jetzt in der ARD Mediathek verfügbar sind, hat er sich mit Ochsenknecht zusammen angeschaut. „Ich war begeistert“, sagt Schmidt, der auf eine Fortsetzung der Reihe hofft. Eine Gastrolle könnte er sich dann durchaus vorstellen. „Ich hab’ da noch eine Figur in der Schublade, einen alten Schulfreund von Wolfram, den ehrwürdigen Monsignore Almendinger, der im Vatikan hoch aufgestiegen ist und in seine badische Heimat zurückkehrt. Da gäbe es noch viel zu erzählen.“

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