Ermittler, die schon im Vorspann eines Krimis zur Schusswaffe greifen, kennt man, diese junge Frau führt sich mit einem sehr professionell aussehenden „Kick“ ein. Mersiha Husagic ist ab heute die Neue bei der „Soko München“ (ZDF), doch der aggressive Auftritt mit gestrecktem Bein aus dem Intro täuscht. „Ich würde sie als eine Frau beschreiben, die auf der Pirsch ist, die Personen erst einmal beobachtet, bevor sie mit ihnen spricht“, sagt die 29-Jährige über Theresa „Resi“ Schwaiger, die heute um 18 Uhr in der Folge „Machtverhältnisse“ erstmals zu sehen ist, im Gespräch mit unserer Zeitung.
Also kein „Haudrauf“ vom Dienst, der sich im vorübergehend fünfköpfigen „Soko“-Team in den Vordergrund spielen will? „Nur wenn alle an einem Strang ziehen, hat man am Ende eine runde Geschichte“, sagt sie sachlich: „Was nicht heißt, dass es in der einen oder anderen Folge auch mal mehr für mich zu tun gibt.“ Man spürt, dass Husagic, die privat tatsächlich lange Kampfsport betrieben hat, Feuer und Flamme ist für die neue Serienrolle, noch dazu in der ältesten „Soko“-Familie: „Es ist mir eine große Ehre, da mitspielen zu dürfen.“
Dass die junge Hamburgerin mit bosnischen Wurzeln als Standarddeutsch sprechende Bayerin eingesetzt wird, findet sie schon deshalb gut, „weil ich da nicht einfach mich selbst spielen muss“. Ganz fremd ist „Meri“ an der Isar allerdings längst nicht mehr, seit einem Jahr lebt sie mit ihrem Freund in der Landeshauptstadt, an der sie – neben der „Gemütlichkeit“ – vor allem das deftige Essen schätzt. Die Leberkässemmel und das Hendl hat sie gerne in ihren Speiseplan aufgenommen. „Die Fischbrötchen fehlen mir trotzdem manchmal“, sagt sie lachend und mit hörbar norddeutscher Färbung in der Stimme.
Die sehr reflektiert wirkende Frau mit den ausdrucksstarken grün-braunen Augen hat trotz ihrer Jugend schon eine lange Liste von Engagements vor der Kamera vorzuweisen, spielte unter anderem in diversen Krimireihen von „Morden im Norden“ über „Mordkommission Istanbul“ bis hin zu „Tatort“ und „Bella Block“. Dass sie diesen Beruf ergreifen will, stand früh fest für Mersiha Husagic,. Schon als Kind, so erzählt sie, habe sie sich künstlerisch betätigt und „gemalt, getanzt, geschauspielert“.
Um sich abzulenken von den Existenzängsten, die sie als Tochter bosnischer Bürgerkriegsflüchtlinge aus Bijeljina an der Grenze zu Serbien haben musste? „Das klingt jetzt so dramatisch“, sagt sie, und erzählt ganz unemotional von den Jahren der Ungewissheit, von den immer wieder neuen Abschiebebescheiden: „Ich weiß nicht, wie viele Stunden wir auf Ämtern zugebracht haben, um die Verlängerung der Duldung zu erreichen. Als Kind versteht man das überhaupt nicht.“ Einmal hätten ihre Eltern sogar schon einen Lastwagen mit ihrer Habe beladen, um nach Bosnien zurückzukehren, sie selbst, damals sechs oder sieben Jahre alt, habe Hals über Kopf ihre Meerschweinchen der Nachbarin geschenkt, „weil wir die ja nicht mitnehmen konnten“. Erst als sie schon fast erwachsen war, hatten die Behörden ein Einsehen.
Ihr Berufswunsch habe Papa und Mama Husagic zunächst nicht gefallen, verrät die einzige Tochter. Sie sollte lieber „etwas Solides“ lernen: „Aber irgendwann haben sie es akzeptiert und mich unterstützt – und inzwischen sind sie stolz auf mich.“ Nur das Abitur war Bedingung. Auch hier also keine „Haudrauf“-Mentalität, eher eine Frau „auf der Pirsch“ in Richtung Traumjob. Bosnien ist Mersiha Husagics zweite Heimat geblieben: „Ich bin regelmäßig in Sarajevo – und wenn ich länger nicht da bin, fehlt mir etwas.“ Sie spricht auch fließend Bosnisch.
Angst davor, nach ihrem längerfristigen „Soko“-Engagement auf die Rolle der Kommissarin festgelegt zu werden, hat sie nicht: „Ich kann mit Ängsten in diesem Beruf grundsätzlich nicht viel anfangen. Wenn das Drehbuch gut ist und die Figur interessant, gibt es keine Grenzen.“ Auch Rollen, in denen sie Menschen mit osteuropäischem Migrationshintergrund spielen soll, würde sie nicht ablehnen, „auch wenn der typische Akzent für mich eine Herausforderung wäre“.