Er war ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Natur und die Tierwelt, dessen Stil im Fernsehen der Siebzigerjahre ebenso neu wie unverwechselbar war. Direkt, sarkastisch, pessimistisch. Nun ist Horst Stern, Autor, Journalist, Umweltschützer sowie Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), im Alter von 96 Jahren in Passau gestorben.
Mit eindrucksvollen, teils drastischen Filmaufnahmen und Kommentaren hatte Stern vor einem gedankenlosen Umgang mit der Natur gewarnt und Missstände aufgedeckt. Geboren im Jahr 1922 im heute polnischen Stettin, begann Stern nach Krieg und Gefangenschaft als Gerichtsreporter bei den „Stuttgarter Nachrichten“. Anfang der Sechzigerjahre wechselte er zum Radio des damaligen „Südfunks Stuttgart“, für den er Tiersendungen produzierte.
Mit der nach ihm benannten Fernsehreihe „Sterns Stunde“, für die er das Drehbuch schrieb und Regie führte, hatte Stern seinen Durchbruch. Sie wurde zwischen 1970 und 1979 mit über 20 Episoden vom damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR) produziert und im Ersten ausgestrahlt. Mit seinen kritischen Reportagen schuf Stern ein Gegengewicht zu den damals üblichen, eher unterhaltenden Tier- und Naturfilmen. Im Jahr 1980 gründete er die Zeitschrift „Natur“, die er als Herausgeber und Chefredakteur leitete.
Im Jahr 1984 zog sich Stern aus der aktuellen Berichterstattung zurück, machte aber als freier Schriftsteller auf sich aufmerksam, unter anderem mit „Mann aus Apulien“ über den Stauferkaiser Friedrich II. und mit „Jagdnovelle“. Im Jahr 1993 erschien sein Roman „Klint – Stationen einer Verwirrung“.
In einem Interview Mitte der Neunziger wirkte Stern resigniert: „Nichts hat sich geändert. Die Legebatterien sind nicht kleiner geworden, die Tierquälerei hat sogar zugenommen.“ Er habe den Menschen den Charakter ihrer Gesellschaft vorführen wollen, sagte Stern und fügte hinzu: „Aber man hat mich unterm Strich für einen Tierfilmer gehalten.“
Peter Boudgoust, Chef des Südwestrundfunks, würdigte Stern als herausragenden Journalisten und unermüdlichen Kämpfer für Tierethik und ein ökologisches Bewusstsein: „Dabei war sein Vorgehen oft provokativ, aber stets reflektiert und von großem Sachverstand geprägt.“ Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger würdigte Stern mit den Worten: „Wir haben einen großen Naturschützer für Deutschland verloren, der bereits in den Siebzigerjahren durch seine Filme die Grundlage gelegt hat für die heutige Bedeutung des Natur- und Umweltschutzes.“