„Seiteneinstiege sind nicht ungewöhnlich“

von Redaktion

Wie eine echte Kapitänin die Wahl Florian Silbereisens zum neuen „Traumschiff“-Chef beurteilt

Hat Florian Silbereisen das Zeug zum „Traumschiff“-Kapitän? Über diese Personalie wird in Deutschland derzeit heiß diskutiert. Silbereisen selbst zeigt sich von den kritischen Äußerungen von Ex-Crewmitgliedern wie Heide Keller oder Sascha Hehn (wir berichteten) unbeeindruckt. Der „Bild am Sonntag“ sagt er: „Ich weiß, was ich kann.“ Er sei sich zudem sicher, dass „Traumschiff“- Erfinder Wolfgang Rademann (1934 – 2016) von der Idee, ihn als Kapitän zu besetzen, begeistert gewesen wäre. Was aber meint eine echte Kapitänin? Unsere Zeitung sprach mit Runa Jörgens vom Verband deutscher Reeder.

Florian Silbereisen ist der neue Kapitän des „Traumschiffs“. Was halten Sie als echte Kapitänin von der Besetzung?

Zunächst möchte ich Florian Silbereisen gratulieren zu diesem Karrieresprung als Seiteneinsteiger in die Seeschifffahrt und finde das sehr schön, dass es auch mal so gemacht wird, weil Seiteneinstiege in der Seeschifffahrt nicht ungewöhnlich sind.

Florian Silbereisen ist jetzt 37 Jahre alt. Die einstige „Chefhostess“ Heide Keller hält ihn für einen „fröhlichen Jungen, der mit guter Laune zu Musik auf der Bühne rumhüpft“. Wie realistisch ist es, dass einer mit 37 Jahren Kapitän eines großen Kreuzfahrtschiffes wird?

Es ist sehr realistisch. Gerade in der Kreuzfahrt haben wir auch eine etwas berühmtere Frau, Nicole Langosch, die gerade Kapitän bei „Aida Cruises“ geworden ist mit 34 Jahren.

Warum haben wir immer das Bild des alten Seebären vor Augen?

Ich glaube, da sind wir sehr durch die Historie geprägt, weil man sich das auch durch Filme wie „Titanic“ vorstellt, dass das ein grauhaariger, sehr seriös aussehender alter Herr sein muss. Meistens mit Uniform und goldenen Knöpfen und vier Streifen auf der Schulter, damit auch jeder erkennt, dass er Kapitän ist. Und das prägt uns doch wesentlich. Mehr als das heute doch realistische Bild von jungen, dynamischen Menschen, die diese Aufgabe wahrnehmen.

Sie sind selbst Kapitänin und auch Ansprechpartnerin zum Thema Ausbildung. Wie wird man Kapitän?

Also, in der Regel wird man Kapitän, indem man eine Ausbildung als Schiffsmechaniker von drei Jahren absolviert, damit einen Facharbeiterbrief erwirbt und danach zu einer Fach- oder Fachhochschule seiner Wahl geht. Da schließt man dann ab mit dem nautischen Befähigungszeugnis, und dann fährt man das Befähigungszeugnis aus. Bis man dann Kapitän wird, dauert das so zwischen zehn und 15 Jahren – vom Schiffsmechaniker bis zu einem Kommando über ein Schiff.

Was muss man können? Welche Eigenschaften muss man mitbringen?

Als Kapitän muss man dynamisch sein. Man muss kommunikativ sein. Man muss durchaus ein Verständnis für naturwissenschaftliche Fächer haben. Ich sage immer: Man muss eigentlich Mama, Papa, Psychologe, Arzt, Wirtschaftsboss und Mädchen für alles sein. Also: Man muss sehr offen sein, aber durchaus auch sehr eloquent in seinen Entscheidungen.

Muss man denn auch, wie Florian Silbereisen, für den Gala-Abend singen können?

Also singen muss man nicht unbedingt für den GalaAbend. Aber wenn man kommunikativ ist und auch mal mit seiner Mannschaft singt – Filipinos zum Beispiel singen sehr gerne Karaoke – und wenn man sich da mit seiner Mannschaft zusammen hinsetzt und ein Lied mitträllert, dann ist das durchaus eine sehr gute Eigenschaft. Weil man so auch mal erfährt, was neben dem täglichen Job an Bord mit seiner Mannschaft los ist.

Das Gespräch führte Jennifer Weese.

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