Wertvolle Gegenstände, die für Müll gehalten werden (und umgekehrt) – ein universelles Missverständnis. Kann man daraus einen sehenswerten Film machen? Albert Meisl kann! Der 40-Jährige Wahl-Wiener und Mitarbeiter unserer Zeitung, hat mit „Sieg der Barmherzigkeit“ ein Werk geschaffen, das davon handelt, wie ein Musikwissenschaftler mit Hang zum Messie einem historischen Kleidungsstück nachjagt, das eine Freundin zur Altkleidersammlung gegeben hat. An der Nacht zum Sonntag zeigt Arte den Streifen um 0.10 Uhr in der Sendung „Kurzschluss“, die sich diesmal unter dem Motto „Komisch, tragisch, Österreich!“ der Kurzfilmszene aus dem Nachbarland widmet.
Der Plot ist abgefahren, dennoch entwickelt das knapp halbstündige Werk einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Das hat mit der Beziehung des Mannes namens Richard Szabo (Erwin Riedensteiner) zu einem gewissen Sebastian Fitzthum (Rafael Haider) zu tun. Obwohl der arbeitslose Szabo hier der Verlierer ist, gelingt es ihm, den anderen zum schier willenlosen Werkzeug zu machen.
„Sieg der Barmherzigkeit“ ist Teil einer Trilogie, die mit „Last der Erinnerung“ begann. Darin schildert Meisl, wie sich Szabo und Fitzthum kennenlernen – über die vergebliche Suche nach einem Notenblatt. Obwohl es in beiden Filmen von skurrilen Szenen und Slapstick nur so wimmelt, wollte der Autor und Regisseur mit seinen beiden Protagonisten „komplexe Figuren“ schaffen, „die nicht per se lustig sind“, wie er im Arte-Interview erläutert. Sie sollen in der Vergeblichkeit der Anstrengung, ihr Problem zu lösen, ernst genommen werden.
Auch bei der Realisierung seiner Idee ging Meisl ungewohnte Wege. Die Sequenzen, in denen die beiden versuchen, in das Gebäude einzudringen, in dem sie das vermisste Jackett, „hellblau, mit Schalkragen, 1965“, vermuten, ließ er nicht proben. Wegen der Authentizität.
Das Publikum hat Szabo und Fitzthum ganz offensichtlich bereits liebgewonnnen. Der dritte Teil der Trilogie, „Die Schwingen des Geistes“, wurde wie berichtet vor zehn Tagen in Saarbrücken mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet.