Der Entwurf war „Teamwork“, wie man heute sagen würde. Paul Seligmann (Noah Saavedra) entwarf das Haus, Lotte Brendel (Alicia von Rittberg) die Inneneinrichtung. Doch als es um die Präsentation ging, hatten die potenziellen Bauherren nur Augen für den Mann, die Frau war Luft für sie. Der Kampf der Frauen um Gleichberechtigung in Handwerk und Kunst – er zieht sich durch Gregor Schnitzlers Fernsehfilm „Lotte am Bauhaus“ nach dem Buch von Jan Braren, mit dem das Erste heute um 20.15 Uhr das Jubiläum der vor 100 Jahren gegründeten Kunst-, Design- und Architekturschule feiert.
Die Hauptfigur Lotte Brendel ist fiktiv, ebenso die Liebesgeschichte zwischen ihr und Mitstudent Paul, viele Details jedoch stimmen, auch wichtige Personen, allen voran Bauhaus-Gründer Walter Gropius, gespielt von „Tatort“-Star Jörg Hartmann, sind authentisch. Deshalb will Thomas Zuhr, Chef des Münchner Hirmer Verlags, sein spontanes Urteil über den Film, „Rosamunde Pilcher am Bauhaus“, auch als mit Augenzwinkern gesagt verstanden wissen. „Nein“, sagt der Verleger im Gespräch mit unserer Zeitung, „ich finde, dass der Film eine ganz tolle Basisarbeit leistet und die Zuschauer neugierig macht“. Wer wolle, könne sein Wissen über die Zeit des Aufbruchs in Kunst und Architektur nach dem Ende des Ersten Weltkriegs jetzt vertiefen.
Er hätte sich durchaus auch eine Serie vorstellen können (an die die Macher um Produzent Nico Hofmann wohl ursprünglich auch gedacht hatten), aber auch so biete der Film einen guten Überblick. Neben der schauspielerischen Leistung habe ihn vor allem die Ausstattung überzeugt, so der Bauhaus-Fan, dessen Verlag viele Kunstbände über diese Epoche im Programm hat: „Ich denke da beispielsweise an die kreisrunde Wiege, die in einer Szene zu sehen ist. Ein echter Klassiker.“
Einige Details der Geschichte hätten ihm besonders gefallen, so Zuhr, beispielsweise das Gespräch zwischen Lotte, einer Freundin und einem Spielwarenfabrikanten, dem sie einen selbst entworfenen Baukasten anbietet: „Da sind Momente, die Mut machen, im Grunde ist das die Blaupause für ein Start Up von heute.“ Dass einige der Protagonisten des Bauhaus, wie der Kunstpädagoge Johannes Itten und der Maler und Bildhauer Oskar Schlemmer, den Zuschauern nur über ein paar Schlagworte vorgestellt worden seien, sei der Kürze des Films geschuldet.
Im Anschluss
zeigt das Erste um 22 Uhr die Dokumentation „Bauhausfrauen“ über den anstrengenden Kampf der Künstlerinnen um Gleichberechtigung.