„Es sollte sich wunderschön anfühlen“

von Redaktion

INTERVIEW Amy Sherman-Palladino und Daniel Palladino über „The Marvelous Mrs. Maisel“

Sie hat bei den Emmys so ziemlich alles abgeräumt – kein Wunder, dass Amazon Prime die Erfolgsserie „The Marvelous Mrs. Maisel“ in die zweite Runde schickte. Im Dezember gestartet, ist sie nun auch in der deutschen Synchronfassung abrufbar. Wir sprachen mit Amy Sherman-Palladino und ihrem Mann Daniel Palladino, die die Serie über eine Komödiantin im New York der Fünfziger verantworten.

Amazon ist bekannt dafür, den Regisseuren viel Geld in die Hand zu drücken und sie recht frei machen zu lassen. Wie ist es, so ein großes Budget zu haben?

Amy Sherman-Palladino: Oh, es ist großartig! Erst mal natürlich, weil wir einfach wahnsinnig gern Geld ausgeben. (Lacht.) Es gibt so viele kleine Dinge, über die du beim Drehen jetzt nicht mehr nachdenken musst. Du kannst all das tun, was viel Zeit benötigt. Das ist ein Segen für den kreativen Prozess. Und für die Musik! All die Lieder, die zu hören sind, könnten wir ohne das Geld im Rücken nicht nutzen. Wir versuchen weiter, verantwortungsvoll damit umzugehen. Aber immer mit dem Anspruch: Mach’s entweder richtig oder lass’ es ganz. Wenn du es nicht zu dem machst, was es sein soll, dann mach’ etwas anderes.

Was soll es denn sein?

Sherman-Palladino: Genau das, was es jetzt geworden ist. Wir wollten, dass es sich genauso anfühlt. Es sollte sich groß und wunderschön anfühlen. Wir wollten Mrs. Maisel hinauslaufen sehen in diese Welt. Und dafür wollten wir in den Straßen von New York drehen – egal, was es kosten würde.

Ist New York eine Art zusätzliche Figur?

Daniel Palladino: Ja, unbedingt. In den Fünfzigern war New York ja noch viel mehr eine Hauptstadt der Comedians als es das jetzt ist.

Frauen im komischen Fach – das war damals undenkbar. Hat sich das inzwischen gebessert?

Palladino: Leider gibt es noch immer viele Männer, die nicht glauben, dass Frauen lustig sein können. Wir kennen die alle nur zu gut, ich nenne jetzt aber lieber keine Namen… Sherman-Palladino: Dabei gab es schon immer Frauen im Showbusiness, die Gags geschrieben haben. Dann hieß es: Ja, die Autorinnen sind fürs Herz da, die Männer schreiben das Lustige. Als ich anfing, für die Serie „Roseanne“ zu arbeiten, dann auch nur deshalb, weil sie jemanden brauchten, der für die Mädels schreibt. Was für mich okay war, denn so bekam ich den Fuß in die Tür. Es ist nicht leicht, das Vorurteil von den unlustigen Frauen abzuschütteln.

Möchten Sie mit „Mrs. Maisel“ ein Zeichen setzen?

Sherman-Palladino: Nein. Das habe ich, indem ich selbst als Frau seit 20 Jahren erfolgreich in der Branche bin. Ich entwickle Figuren, die mir gefallen – und wenn sie dem Publikum auch gefallen, bin ich happy. Wenn du dir vorher etwa sagst: Ich will das und das über diese Figuren vermitteln, merken die Leute das. Keiner möchte erzogen werden.

In der neuen Staffel geht es nach Paris…

Palladino: Es war klar, dass Mrs. Maisels Mutter Rose entweder einem Zusammenbruch entgegensteuert oder einer Rebellion. Wir fanden die Rebellion interessanter. Und weil sie immer mal wieder von ihren glücklichen Tagen in Paris geschwärmt hatte, dachten wir: Wenn sie irgendwohin abhaut, dann nach Paris. Glücklicherweise hat sie sich Paris ausgesucht – und nicht Salt Lake City oder so etwas.

Wieso gerade Paris?

Sherman-Palladino: Ich liebe Paris! Ich bin in Los Angeles aufgewachsen. Da gibt es keine Schönheit. Wir haben das Meer, das ist nett. Aber keine architektonische Schönheit, keine Geschichte, nichts, was dich in eine andere Zeit transportiert. Es gibt viele verschiedene Säfte, viel Marihuana und viele Fitnessstudios. Das ist toll, wenn du so etwas magst. Aber nichts dort ist vergleichbar mit den Straßen von Paris. Und nachdem ich diejenige bin, die das alles schreibt… (Lacht.)

Wie viel von Ihnen steckt in Mrs. Maisel?

Sherman-Palladino: Sie ist viel optimistischer als ich. Und ihr stehen Kleider wesentlich besser als mir…

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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