Mords-Theater

von Redaktion

Der RTL-Streamingdienst TV Now zeigt den Sechsteiler „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“

VON BRITTA SCHULTEJANS

Wenn man den Top 3 beim Streamingdienst TV Now glauben kann, dann stehen die Zuschauer dort besonders auf den „Bachelor“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder „Köln 50667“. Das sind jedenfalls die Sendungen, die am häufigsten bei der Videoplattform von RTL abgerufen werden. Umso überraschender ist die erste TV-Now-Eigenproduktion, die ab heute verfügbar ist – ein Serien-Remake des Filmklassikers „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang aus dem Jahr 1931. Ein Mords-Theater! Wir erklären, was Sie wissen müssen.

Worum geht’s?

„M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist eine Koproduktion mit dem ORF, wo die erste Folge bereits am vergangenen Sonntag lief. Die Miniserie erzählt – wie der Film vor fast 90 Jahren – die Geschichte einer Stadt, die von einer furchtbaren Mordserie erschüttert wird. Damals war es Berlin, 2019 ist es Wien. Drei Kinderleichen werden hier am Ufer der Donau gefunden, die dort einige Zeit unter Schnee begraben lagen. Alle drei Opfer stammen aus schwierigen Verhältnissen, eins ist ein afghanisches Flüchtlingskind. Und sie sollen nicht die einzigen Opfer bleiben. Wann immer ein Clown mit gruseligen Luftballons in der Hand erscheint und die Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg erklingt, schwebt ein weiteres Kind in Gefahr.

Wer spielt mit?

Die Besetzung des Sechsteilers als hochkarätig zu beschreiben, wäre beinahe untertrieben. Lars Eidinger spielt den Vater eines toten Mädchens, Verena Altenberger (Matthias Brandts Nachfolgerin im Münchner „Polizeiruf 110“) die labile Mutter. Sophie Rois (ursprünglich als „Polizeiruf“-Nachfolgerin für Brandt im Gespräch) gibt herausragend diabolisch einen weiblichen Mephisto, eine Puffmutter ohne jede Mütterlichkeit. Bela B. Felsenheimer (eigentlich Sänger und Schlagzeuger bei den Ärzten) spielt einen zwielichtigen, bleichgesichtigen Irren, der an Kinderkleidung schnüffelt und sich eine Art Harem aus kleinen Schaufensterpuppen hält. Moritz Bleibtreu schlüpft in die Rolle eines skrupellosen Medienmoguls mit Hang zu rechter Propaganda. Sie alle sind eher Prototypen als echte Charaktere. Das ist hier aber kein Manko, sondern ein Kunstgriff, stehen sie doch für mehr als nur ein Einzelschicksal. Und so schleichen die Figuren in diesem im besten Sinne theatralischen, surrealen und episodenhaften Albtraum umeinander. Sie treffen sich dabei in durchchoreografierten, auffallend langsam inszenierten Szenen, wie man sie eher auf der Bühne erwartet als im Streamingangebot von RTL.

Wer steckt dahinter?

Regisseur von „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist David Schalko. Der Österreicher hat bereits großartige Serien wie „Braunschlag“ oder „Altes Geld“ inszeniert und mit der Serie nun ein weiteres kleines Kunstwerk geschaffen. Es ist ein Sittengemälde eines nach rechts rückenden Österreich mit einem ebenso selbstverliebten wie skrupellosen Innenminister („Das Geld, das wir pro Jahr für Migration ausgeben, fehlt uns jetzt für die eigenen Kinder“) als einer weiteren Schlüsselfigur, die sicher nicht zufällig an Österreichs Kanzler Sebastian Kurz erinnert.

Wie kann ich’s sehen?

Auf der Seite tvnow.de muss man sich registrieren. 30 Tage lang kann man dann gratis testen, danach ( Wer nicht weiter interessiert ist, muss kündigen!) kostet das „Premiumpaket“ 4,99 Euro im Monat.

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