Schweizer Abfall

von Redaktion

ESC-Song „Sister“ fiel bei den Eidgenossen 2018 durch

VON JÖRG HEINRICH

Zu schlecht für die Schweiz, aber gut genug für Deutschland. Das ist das Lied, mit dem das Duo S!sters am 18. Mai als deutscher Beitrag beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv antritt. Der Song „Sister“, mit dem sich Laurita Spinelli (26) und Carlotta Truman (19) am Freitag bei der ARD-Show „Unser Lied für Israel“ durchsetzten, wurde eigentlich für die Schweizer Vorentscheidung 2018 geschrieben, schaffte es dort aber nicht einmal in die Endrunde. Nun soll das eilig zusammengestellte Duo mit dem Kunstnamen S!sters damit einen ordentlichen Platz ersingen. „Schweizer ‚Abfall‘ für Deutschland“, spottet das eidgenössische ESC-Magazin „douzepoints.ch“.

Allerdings war das Lied über Frauensolidarität beim deutschen Vorentscheid, den mit 2,84 Millionen die wenigsten Zuschauer seit sieben Jahren sahen, noch das beste unter sieben überwiegend schwachen Songs. Die ARD ließ erneut brave Nachwuchssänger auf die Bühne, die meisten mit „The Voice“-Erfahrung. Die Titel stammten aus einem „Songwriting Camp“, einer Art Legebatterie für Popmusik, in der die Teilnehmer in wenigen Tagen Hits schreiben sollen. Ergebnis war ARD-Beamtenpop vom Reißbrett, ohne Herz und Seele.

Laurita Spinelli, eigentlich Laura Kästel, Backgroundsängerin von Lena Meyer-Landrut, und Carlotta Truman, ehemalige „Supertalent“- und „The Voice Kids“-Teilnehmerin, kannten sich bis Januar noch gar nicht. Nun sollen sie das Wunder von Lissabon wiederholen, als Michael Schulte letztes Jahr völlig überraschend Vierter wurde.

Das Auswahlverfahren der ARD bleibt mehr als fragwürdig, aber es gibt immerhin ein gutes Omen. Der Österreicher Cesár Sampson landete 2018 als Dritter sogar noch einen Platz vor Schulte – mit einem Lied, das den Schweizern ein Jahr davor zu schlecht war.

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