Sie waren 18, als Ihre Mutter dem „Pumuckl“ das Leben schenkte – hätten Sie gern als Kind schon seine Bekanntschaft gemacht?
Die Frage hab’ ich mir nie gestellt. Meine Mutter hat schon immer Bücher geschrieben. Mein Vater war Journalist. Damit bin ich groß geworden. Und mit 18 war ich dann zu alt für einen Klabautermann.
Hat Ihre Mutter Ihnen denn als Kind viel vorgelesen?
Ja, aber sie war vor allem eine große Geschichtenerzählerin. Zum Einschlafen gab’s jeden Abend eine neue Mondgeschichte, die sie sich selbst ausgedacht hat. Überhaupt hatten Wortspiele und Sprache in unserer Familie immer eine besondere Bedeutung.
Erinnern Sie sich an die Entstehungsphase von „Pumuckl“?
Das war relativ unromantisch. Meine Mutter hatte bereits eine sehr erfolgreiche Kinderbuchserie geschaffen, den „Kater Musch“. Als die auslief, sollte sie sich etwas Neues ausdenken. Und da unsere ganze Familie dazu neigte Sachen zu verlegen, war die Idee schnell geboren. Das Gedankenspiel – was, wenn nicht ich schuld bin, sondern ein Kobold – hat allen auf Anhieb gefallen.
Welche der Eigenschaften Ihrer Mutter haben Sie geprägt?
Ihre unglaubliche Kreativität und ihre Neugier. Bildhauerei, Schriftstellerei und zuletzt die Fotografie – sie hat sich mit großer Leidenschaft in diese Künste gestürzt. Manchmal war sie fast ein bisschen traurig, dass sie von den meisten nur auf den Pumuckl reduziert wurde.
Jetzt feiert der Kobold bei Amazon Prime Comeback – können Sie nachvollziehen, warum Kinder ihn auch heute noch lieben?
Ich glaube, dass sich Kinder immer noch ein Elternteil wünschen, das so verständig ist wie der Meister Eder und trotzdem auch streng. Einen, der Grenzen setzt. Der Pumuckl stellt ja so einiges an, wird dafür geschimpft, aber macht auch die Erfahrung, dass ihm der Eder aus der Patsche hilft. Das gibt Kindern ein Gefühl des Aufgehobenseins. Das Gespräch führte Astrid Kistner.