ESC ohne die Ukraine

von Redaktion

Streit um Auftritte von Kandidatin Maruv beim Nachbarn Russland

VON ANDREAS STEIN UND ULF MAUDER

Es gab schon zwei Siege (2004 und 2016) und insgesamt neun Plätze in den Top Ten, in diesem Jahr gibt’s für die Ukraine dagegen nichts zu gewinnen. Das Land nimmt nicht am Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv teil. Der Sieg von Sängerin Maruv beim nationalen Vorentscheid sorgte für Ärger, weil die Sängerin – wie viele ihrer Kollegen – auch in Russland Konzerte gibt. Und Singen beim „Feind“ geht aus Sicht vieler Ukrainer gar nicht.

Nun verzichtet das Land auf einen Auftritt, weil es weder mit Maruv noch mit den Nachrückern eine Einigung gab. Die Gruppe Kazka etwa schrieb bei Instagram: „Unsere Mission ist, die Leute mit Musik zu einen, aber nicht Zwietracht zu säen.“

Der Eklat zeigt, wie es um die künstlerische Freiheit in dem Land steht. Sie wolle keine Werbung machen für die ukrainische Politik, teilte Maruv mit. Ihr Land sieht sich im Krieg mit Russland, seit bei Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten in der Ostukraine Tausende Menschen starben.

Zu spüren bekam den Konflikt bereits die russische Sängerin Julia Samoilowa, die wegen eines Auftritts auf der Krim im Jahr 2017 nicht beim ESC in Kiew singen durfte. Der Vorentscheid habe aufgedeckt, dass die Verbindungen ukrainischer Künstler „mit dem Aggressor“ sehr eng seien, teilte das Ukrainische Fernsehen mit. Das fänden nicht alle Bürger gut.

Bei den Sängern stößt der Boykott auf Kritik. Wie Verbrecher würden Künstler in der Ukraine behandelt, meinte der Musiker Andrej Danilko (45), bei ESC-Fans besser als Verka Serduchka bekannt. ESC-Siegerin Ruslana fragte bei Facebook entrüstet: „Was wollen wir damit sagen oder beweisen? Welche Botschaft tragen wir damit in die Welt?“

Auch der deutsche ESC-Experte Irving Wolther bedauert die Absage der Ukraine in diesem Jahr, findet die Entscheidung aber auch nachvollziehbar. „Der ESC ist nun einmal ein Länderwettstreit, und da bleibt es nicht aus, dass politische Erwägungen in die Auswahl der nationalen Vertreter einfließen“, sagte er. Auch Deutschland habe 2016 die Nominierung von Xavier Naidoo rückgängig gemacht, „der zwar unbestritten ein hervorragender Künstler ist, als Repräsentant Deutschlands aber aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kam“.

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