„Die Klischees stimmen schon“

von Redaktion

Im ZDF läuft „Bella Germania“ – hier erzählt ein Münchner Italiener seine Geschichte

VON KATJA KRAFT

Die Musik! Die Mode! Die Autos! Das ZDF hat gestern Abend einen Hauch Italien in die Wohnzimmer von Millionen Zuschauern gezaubert. Der erste Teil der Trilogie „Bella Germania“ wurde ausgestrahlt, der über drei Generationen hinweg von einer deutsch-italienischen Familie erzählt. Das Drehbuch stammt von Daniel Speck, der 2016 auch den gleichnamigen Bestseller geschrieben hat. Heute Abend läuft der zweite Teil. Aus Anlass der ZDF-Produktion haben wir mit Gennaro Bussone gesprochen – einem Münchner mit italienischen Wurzeln. Die Geschichte hätte auch ganz anders ausgehen können. Wäre sein Vater 1956 nicht zur Stippvisite in München gewesen – wer weiß, vielleicht lebte Gennaro Bussone heute in den USA. Und würde den Amerikanern zeigen, wie viel besser Pizzen mit knusprig-dünnem statt mit Treibmittel-aufgepustet dickem Teig schmecken. Denn eigentlich hatte Gennaro Bussones Vater nur Gennaro Bussones Onkel in Bayern besuchen wollen. Der leitete damals eine Firma am Münchner Großmarkt. Bussones Vater blieb, gründete mit einem Kompagnon sein eigenes Unternehmen.

„Er hat Kartoffeln, Blumenkohl, Auberginen, die damals keiner kannte, aus Süditalien importiert“, erinnert sich der Sohn 60 Jahre später. Und fügt lakonisch hinzu: „Seine Frau hat er auch gleich importiert.“ Dem Schwiegervater versprach er, nur drei Jahre mit ihr in Deutschland zu bleiben – daraus wurde ein ganzes Leben. Eine deutsch-italienische Familiengeschichte wie diese können viele Nachfahren der einstigen italienischen Gastarbeiter, die nach Deutschland kamen, erzählen.

Gennaro Bussone betreibt nun seit fast 30 Jahren eine Trattoria, die seinen Namen trägt und vis-à-vis der Großmarkthalle liegt. Bussone ist in München geboren, hat in Italien nur seine Ferien verbracht. Doch das italienische Blut fließt unverkennbar durch seine Adern. Neapolitaner sei er, keine Frage, verkündet er im Gespräch mit unserer Zeitung. Wir haben ihn gebeten, ein bisschen aus dem Familienalltag zu erzählen (siehe Kästen). Dabei erinnerte er sich auch an seine erste deutsche Freundin. „Ihre Eltern waren gegen die Verbindung. Meine anfangs auch.“ Zerbrach das junge Glück daran? Von wegen! Wer ein echter Italiener ist, der kämpft für die Amore. „Wir haben uns einfach heimlich getroffen“, erzählt er lächelnd. Aus „Romeo und Julia“ wurde eine Beziehung, die dann auch die Eltern akzeptierten. Sieben Jahre hielt sie. „Sie hätte noch länger gewollt, aber ich wollte etwas anderes“, sagt Bussone. Macho Macho? „Na ja, die Klischees stimmen schon“, gibt er schmunzelnd zu.

In seiner Jugend ging er lieber mit deutschen Mädels aus. „Denn wenn du eine Italienerin zum Essen ausgeführt hast, stand gleich die Familie dahinter: Was will der? Was macht der? Woher kommt der? Ist der heiratswillig?“ Geheiratet hat er dann übrigens doch eine Frau aus bella Italia. Sie bekamen drei Bambini. Die sprechen fließend beide Sprachen. Das Beste aus beiden Welten – Gennaro Bussone weiß, wie man das genießt.

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