Nach dem Drama kommt die Anteilnahme. Die Zahl der Genesungswünsche für Jan Hofer nach seinem Zusammenbruch vor laufenden Kameras ist groß. Auf Twitter überschlagen sich die Nachrichten für den seit 2004 amtierenden Chefsprecher der „Tagesschau“, der für viele Zuschauer offenbar als eine Art Familienmitglied Abend für Abend mit im Wohnzimmer sitzt. „Jetzt sind ich und meine Frau aber beruhigt, dass es offenbar nichts Ernstes ist“, schreibt einer. „Wir waren wirklich besorgt, als wir Sie zum Schluss am Tisch stehen sahen. Wir hoffen, Sie bald wieder bei der ,Tagesschau‘ zu sehen!“ Andere texten: „Wir wünschen Ihnen alles erdenklich Gute und weiterhin gute Besserung, Herr Hofer.“ Auch die ZDF-Mainzelmännchen schickten einen Gruß nach Hamburg.
Am Ende der 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ am Donnerstag hatte Jan Hofer vor den Augen von mehr als vier Millionen Zuschauern einen Schwächeanfall erlitten, konnte sich nicht mehr verabschieden und musste sich sogar am Pult festhalten (wir berichteten). Noch am selben Abend hatte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mitgeteilt, dass es dem Moderator wieder gut gehe. Das wurde gestern noch einmal betont. Das Problem sei eine verschleppte Infektion.
Was viele Zuschauer umtreibt: Warum wurde die „Tagesschau“ nicht früher abgebrochen? Die Kamera hielt noch viele Sekunden drauf – selbst, als Hofer, der 2016 schon einmal krankheitsbedingt eine Sendung abbrechen musste (damals wegen eines Magen-Darm-Virus) sichtbar nicht mehr konnte.
Dazu erklärt „Tagesschau“-Chef Kai Gniffke: „Zunächst gingen alle davon aus, dass Jan Hofer noch ,ins Ziel‘ kommt. Erst als die Schwierigkeiten so groß wurden, dass eine Verabschiedung keinen Sinn mehr machen würde, versuchte die Regie eine kürzere Abspann-Variante einzusetzen. Dies misslang, sodass weder der normale noch der kurze Abspann abfuhren und das Bild lange, zu lange stehen blieb.“ Eine Frage, die sich ebenfalls viele Zuseher stellen: Warum arbeitet Jan Hofer überhaupt noch? Er ist 69 Jahre alt – ist man da als Angestellter nicht längst in Rente? Ja, aber die Sprecherinnen und Sprecher der „Tagesschau“ sind alle freie Mitarbeiter, die für eine Sendung ein festes Honorar bekommen. Für die Hauptausgabe der „Tagesschau“ liegt das übrigens bei exakt 259,89 Euro.
Wann Jan Hofer zum Dienst zurückkehrt, steht noch nicht fest. Er werde sich erst einmal auskurieren. Gniffke: „Bis dahin werden die zu besetzenden Sendungen auf das Kollegium verteilt.“