„Rosenkranz statt Randale“ – mit Sprüchen wie diesem wirbt Kabel 1 für seine neue Doku-Serie „Ab ins Kloster!“, zu sehen in vier Folgen ab heute jeweils donnerstags um 20.15 Uhr. Dabei ziehen pro Folge vier mehr oder minder schrille junge Leute für eine Woche zu Mönchen und Nonnen. Ort des Geschehens ist unter anderen die Benediktinerabtei in Ottobeuren im Allgäu. Unsere Zeitung sprach mit Abt Johannes Schaber (51).
Die Infos des Senders zu der neuen Serie legen nahe, dass es vor allem um Unterhaltung dank effektvoller Kontraste gehe. Von Weihrauch statt Zigaretten ist da die Rede und von einem „Clash der Kulturen“. Haben Sie sich mit Kabel 1 den Klamauk ins Kloster geholt?
Nein. Aber natürlich geht es um Gegensätze. Der Reiz an diesem Experiment ist ja, dass da zwei ganz verschiedene Welten aufeinandertreffen, um zu sehen, wie Menschen, die ganz unterschiedlich sind, eine Weile miteinander umgehen.
Wie sind Sie dazu gekommen?
Der Sender hat angefragt. Natürlich haben wir uns das gut überlegt. Dass Kabel 1 nicht 3sat oder Arte ist, wissen wir ja auch. Aber dann ist mir eingefallen: Bei der Deutschen Ordensoberenkonferenz ist schon mehrfach angeklungen, dass nur diejenigen von uns eine Zukunft haben werden, die auch Jugendarbeit betreiben, die sich also eine Anschlussfähigkeit an jüngere Generationen bewahren. Außerdem habe ich die Sendung hinterher selbst abgenommen und freigegeben. Und ich muss sagen: Ich finde sie gelungen.
Weshalb?
Weil sie schön zeigt, dass ganz unterschiedliche Menschen einander wertschätzen lernen können. Es geht ja um Fremdheitserfahrungen bei dem Projekt. Und das veranschaulicht gut, dass diese Fremdheitserfahrungen mitnichten immer nur negativ ablaufen müssen. Klar gab es bei uns auch mal Reibereien. Aber unterm Strich sind wir sehr respektvoll miteinander umgegangen.
Von welchen Unterschieden und von welcher Fremdheit sprechen Sie?
Die Teilnehmer hatten mit Kirche und Glaube nichts zu tun, einer war Moslem. Als es hieß, das Chorgebet beginnt um halb sechs Uhr morgens, rief jemand: „Was? Um die Zeit geh’ ich sonst ins Bett!“ Ein anderer – er will Schlagerstar werden – kam im goldenen Glitzeranzug in die Kirche. Nun ja. Später erfuhren wir, dass die Fernsehleute den Mann extra dazu gedrängt haben, so schrill aufzutauchen. Ich verstehe ja, dass die starke Bilder brauchen. Sonst bekommen wir ja auch kein Publikum. Doch das möchten wir haben, damit es von der Botschaft Gottes etwas wahrnimmt.
Gab es auch Drehsituationen, die den Brüdern Schwierigkeiten bereitet haben?
Ja, solche, in denen die Jugendlichen mit einem unserer Patres vor laufender Kamera ein vertrauliches Gespräch führen sollten. Da hatten wir große Bedenken. Das ist etwas für den geschützten Raum eines Seelsorgegesprächs, nicht für ein großes Publikum.
Abgesehen vom frühen Aufstehen – was fiel den jungen Menschen im Kloster noch schwer?
Auf ihr Telefon zu verzichten – das war für sie das Allerschwerste. Und auszuhalten, nicht mehr in der pulsierenden Großstadt zu sein, in Berlin etwa, sondern plötzlich „am Ende der Welt“. Aber ohne die ständigen Ablenkungen von außen konnten die Männer auf einmal ganz neue Erfahrungen machen. Wie wertvoll ein intensives Gespräch sein kann zum Beispiel. Dass bei uns dann auf einmal jemand da war und aufmerksam zugehört hat, hat denen schon gutgetan.
Haben auch Sie etwas von den jungen Leuten gelernt?
Die Begegnung mit ihnen hat uns in unserem Gedanken bestärkt, Menschen stets mit Respekt zu begegnen – so anders sie einem auch erscheinen mögen. Jeder Einzelne ist gottgewollt. Und von unseren vier Teilnehmern kann ich sagen: Das sind alles feine Kerle.
Das Gespräch führte Christopher Beschnitt.