Nach der ersten Ausgabe werde man sie „sofort wieder absägen, weil alle Urban Priol und Frank-Markus Barwasser wiederhaben wollen“, war Claus von Wagner beim Start von „Die Anstalt“ überzeugt. Es kam bekanntlich anders, der Premierensendung vom 4. Februar 2014 folgten 41 weitere. Heute steht die 42. Ausgabe auf dem Programm. Zeit für eine Zwischenbilanz.
„Wir spüren den Druck“, sagt der Kabarettist, der „Die Anstalt“ gemeinsam mit Max Uthoff betreibt, im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch seine Körpersprache und die Art, wie er redet, zeigen, dass sich von Wagner diesem Druck gerne aussetzt. Die Erwartungen sind hoch, denn anders als andere (Fernseh-)Kabarettisten widmen sich Uthoff und von Wagner nicht der Tagespolitik, sondern setzen in jeder Ausgabe einen Schwerpunkt. Die Flüchtlingskrise war schon Thema, der Ukrainekonflikt, der Rechtspopulismus oder die Deutsche Bahn. Zum Markenzeichen des Duos, das sich jedes Mal andere Mitspieler holt, ist das Whiteboard geworden, die Tafel, mit deren Hilfe komplizierte Zusammenhänge grafisch dargestellt werden.
„Die Anstalt“ also als eine Art Telekolleg? „Wir bekommen in der Tat oft Rückmeldungen von Leuten, die sagen: ,Bei Euch habe ich endlich etwas verstanden!‘“ Schulen verwendeten die Tafelbilder sogar im Unterricht. Das Niveau ist hoch, die Recherchen aufwendig. „Die Zuschauer sind informierter als früher“, hat der 41-Jährige festgestellt. Dass die Fakten stimmen, ist oberstes Gebot, die Macher liefern wie die Autoren journalistischer Formate zu jeder Folge einen mehrseitigen Faktencheck. „Mit puren Behauptungen wirst du schnell widerlegt“, sagt von Wagner.
Die Akribie, mit der die beiden Frontmänner plus Mitautor Dietrich Krauß ihre Themen bearbeiten, hat auch Auswirkungen auf die Auftritte der jeweiligen Gäste: „Wir müssen für die Soli, die die Kollegen mitbringen, geradestehen, also bitten wir sie, den Faktencheck auch bei sich selbst zu machen und Politikerzitate zu überprüfen.“
Nicht jeder Kollege hat die Chance auf eine Einladung, bei der Märzausgabe, in der es um „Dieselgate“ ging, fand sich – ein Novum – Kabarettist Dieter Nuhr gar im Kreis derer, die in der Sendung angegangen wurden. „Nicht wegen seiner Meinung“, stellt Claus von Wagner klar, „sondern, weil er sich in der Diskussion um die Schädlichkeit von Stickstoffdioxid auf Werte berufen hat, die unserer Auffassung nach nicht stimmen.“
Mit Kritik an dem Format, mit Widerspruch kann Claus von Wagner, der auch solistisch unterwegs ist (Theorie der feinen Menschen) gut leben, er schätzt die Möglichkeit, durchs Fernsehen auch die zu erreichen, die sich nicht in eine seiner Vorstellungen setzen würden: „Da erwischst du Leute, die eigentlich anderer Meinung sind. Da kann man noch jemanden ärgern! Ob man ihn dann auch noch überzeugt, ist natürlich eine ganz andere Frage.“