Was haben Klinikärzte und Kommissare gemeinsam? Bei beiden brennt’s. Während die einen unter Hochdruck Leben retten, müssen die anderen im Schnellverfahren gewaltsame Todesfälle aufklären. Der Dortmunder „Tatort: Inferno“ führt beide Szenarien zusammen und strickt daraus einen atmosphärisch dichten Fall.
Erschöpft und übernächtigt irrt der Kollege Peter Faber (Jörg Hartmann) durch die Stadt. Rastlos sucht er nach den Schauplätzen seiner Albträume, in denen ihm regelmäßig seine tote Frau und die Tochter erscheinen. Man kann nicht so recht verstehen, warum dieser schwer traumatisierte Polizist immer noch im Dienst ist. Dem aktuellen Fall aber dient das private Leiden Fabers als willkommene Zuspitzung. Er soll in einer Dortmunder Klinik den Tod einer Ärztin aufklären, die im Ruheraum mit einer Plastiktüte erstickt wurde. Bei der Befragung des Stationsleiters und Psychologen Doktor Norstädter (überzeugend: Alex Brendemühl) wird Faber selbst zum Patienten und begibt sich damit in höchste Gefahr.
Drehbuchautor Markus Busch verzichtet glücklicherweise auf Schlagwortdebatten zum Thema Gesundheitswesen. Die realistischen Bilder des Klinikalltags, das überarbeitete Pflegepersonal und nicht zuletzt die überaus authentische Ärzteschaft (allen voran Doris Schretzmayer) sorgen für ernüchternde Einblicke in die Notfallambulanz. Dem gegenüber steht das Ermittlerteam, das ebenfalls chronisch überarbeitet am eigenen Limit kratzt.
Spannend ist er geworden, dieser „Tatort“ – auch wenn das Dortmunder Team mit seinen Plastiktüten-Experimenten mehr als einmal übers Ziel hinausschießt. Der Wahnsinn in diesem Mikrokosmos von Krankenhausärzten und Kommissaren macht diesen Sonntagabendkrimi sehenswert. ASTRID KISTNER