Nachbeben in der ARD

von Redaktion

Eine Vertragsverlängerung nach missglücktem Krisenmanagement sorgt intern für Unruhe

Wo eine Wille ist, ist auch ein Weg, heißt es unter einigen Mitarbeitern des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Gemeint ist damit die Durchsetzungskraft der Intendantin Karola Wille (60), die vor zwei Jahren, in ihrer Funktion als ARD-Vorsitzende, das sogenannte „Framing Manual“ in Auftrag gab. Die einen nennen es freundlich eine Gebrauchsanleitung für den Umgang mit der Öffentlichkeit, die anderen sprechen von einem Propagandapapier, das sprachpolitisch manipulieren will. Fakt ist: Das Geheimdossier, das vor wenigen Wochen ungewollt in die Medien geriet, hat die ARD intern erschüttert. Und das Nachbeben ist auch dieser Tage noch deutlich spürbar.

Auslöser ist eine Personalie, die im eigenen Sender für Unruhe sorgt. ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab, die im Streit um die 89-seitige Manipulationsanweisung die Krisenkommunikation übernahm, soll eine Vertragsverlängerung um weitere fünf Jahre bekommen. Dafür sprachen sich nach Informationen unserer Zeitung die ARD-Intendanten gestern einstimmig aus. Den Antrag stellte der amtierende ARD-Vorsitzende und BR-Chef Ulrich Wilhelm, der seinen Wunsch so begründete: „Frau Pfab hat in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit bei der Unterstützung des jeweiligen Vorsitzes geleistet.“ Bei einigen Mitarbeitern sorgte die Personalie angesichts des missglückten Krisenmanagements für Stirnrunzeln. Zumal Susanne Pfab das Papier nach seinem Bekanntwerden offensiv verteidigt hatte und zur Stelle war, als Wilhelm selbst wegen des „Framing Manual“ in Bedrängnis geriet. Sie erklärte offiziell, dass das Projekt unter dem Vorsitz von Karola Wille angeschoben wurde.

Ob die heutige MDR-Intendantin damals ahnte, welche Lawine sie mit ihrem Projekt lostreten würde? Zu DDR-Zeiten war die Juristin selbst propagandistisch aktiv. Im Institut für Internationale Studien veröffentlichte Wille bis in die letzten Tage Propagandatexte gegen die Bundesrepublik, wie das Debatten-Magazin „The European“ berichtet. Doch die Zeiten, in denen die Mauer zum „antifaschistischen Schutzwall“ umgedichtet wurde, sind vorbei. Das „Framing Manual“, das die Sprachforscherin Dr. Elisabeth Wehling für die ARD getextet hat, arbeitet mit ähnlichen sprachlichen Finessen und spricht bei den Privatsendern etwa von „medienkapitalistischen Heuschrecken“.

Während sich WDR-Intendant Tom Buhrow schon früh distanzierte und ankündigte, sich nicht vorschreiben zu lassen, welche Worte er in welchem Zusammenhang sage, bemühte sich Ulrich Wilhelm, das Thema kleinzuhalten. Es handle sich um ein Papier zur Verwendung für einzelne Workshops, ließ er verlauten. Eines, das nach dem Wirbel jetzt einkassiert wurde und künftig nicht mehr verteilt werden soll.

Wilhelm ging zuvor schon in mehreren Interviews vorsichtig auf Distanz zum Framing-Papier und mahnte die Öffentlich-Rechtlichen und Privaten in der Medienbranche, „sich nicht gegenseitig schlechtzureden“.  aki

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