Notre-Dame brennt – und die ARD zeigt Tierfilme. Für Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein Armutszeugnis. „Millionen Menschen fiebern mit der Kirche Notre-Dame in Paris, einem der bedeutendsten kulturellen Orte in Europa. Warum muss man CNN einschalten, während die ARD Tierfilme zeigt?“, kommentiert der Politiker Montagnacht auf Twitter.
Die ARD reagiert sogleich und antwortet Laschet via Kurznachrichtendienst: „Alle derzeit bekannten Informationen wurden in der ,Tagesschau‘ an die Zuschauer weitergegeben. Sobald weitere gesicherte Informationen vorliegen, wird dort darüber berichtet. In den ,Tagesthemen‘ wird es eine Vertiefung geben.“ Lakonischer Kommentar der Journalistin Charlotte Schröder: „Oder man schaltet zu n-tv.“ Laschet: „Stimmt. Gut, dass man sich bei Privatsendern zeitnah informieren kann. #qualitätsjournalismus.“
Überzogener Angriff oder gerechtfertigte Kritik? Burchard Röver, stellvertretender Pressesprecher der ARD, weist auf Anfrage unserer Zeitung darauf hin, dass am Montagabend während der laufenden Sendungen dreimal Banner mit aktuellen Informationen zu den Ereignissen in Paris am unteren Bildrand gelaufen seien. „Außerdem wurde die ,Tagesthemen‘-Ausgabe um 22.15 Uhr um fünf Minuten verlängert, um 23.35 Uhr wurde ein ,Tagesthemen extra‘ ins Programm genommen.“ Darüber hinaus habe es ab 21.10 Uhr im Internet auf tagesschau.de und tagesschau24 einen Livestream aus Paris gegeben. „Als Ministerpräsident NRWs den öffentlich-rechtlichen Medien den Qualitätsjournalismus abzusprechen, ist schon sehr abenteuerlich“, kritisiert entsprechend ein Twitter-Nutzer. „Ich bin eher Fan davon, einen Bericht über Ereignisse zu bekommen, wenn die Fakten feststehen und nicht ins Blaue spekuliert wird.“ Andere pflichten ihm bei und geben zu bedenken, dass das „ständige Draufhalten“ mit der Kamera letztlich nur den Voyeurismus der Zuschauer bediene.
Laschet und andere prominente Kommentatoren sehen das anders. „Warum gab es keinen ARD-,Brennpunkt‘ zum Brand von Notre-Dame, neben dem Eiffelturm das Symbol Frankreichs? Schwer nachzuvollziehen“, twitterte etwa der ehemalige Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Ulrich Deppendorf. Das Argument, dass ja nichts Neues passiere, was einen „Brennpunkt“ rechtfertigen würde, lässt Sonia Seymour Mikich, frühere TV-Chefredakteurin beim WDR, nicht gelten: „Eben kein Autobahnunfall. Sondern einer der schönsten Bauten der Welt, der Menschen der ganzen Welt begeistert hat. Nicht zu reden von der nun vernichteten Kunst im Inneren. Ist Kultur zweitrangig in der Relevanzskala? Nichts zum Gaffen sondern zum Weinen“, schreibt sie via Twitter. Und ein Nutzer fügt hinzu: „Wenn im Winter einige Schneeflocken fallen, gibt es sofort einen Brennpunkt.“
Ein anderer Twitterer sieht das anders: „Wenn man außer dem Fakt, dass es brennt, nichts weiter zu berichten hat, muss man auch keinen ,Brennpunkt‘ machen. So einfach ist das.“ Mit Humor nimmt es bei aller Dramatik Twitter-Nutzer Aouie: „Habe im Übrigen die Tierdoku geguckt, da n-tv alle 3 Minuten wiederholte, dass Macron gleich da ist. Ach ja und dass es brennt. Es ging um Tiger.“